Sprecher*innen

Ein ehrenamtlicher Sprecher*innenkreis lenkt den Ernährungsrat für jeweils zwei Jahre inhaltlich, übernimmt interne Koordinierungsaufgaben und repräsentiert ihn nach außen. Der Sprecher*innenkreis befasst sich mit aktuellen Fragen und Entwicklungen, kann Forderungen zu aktuellen Themen erarbeiten, Fachtagungen initiieren, Arbeitsgruppen und Vollversammlungen des Ernährungsrats einberufen und dringliche Entscheidungen treffen, die nicht bis zur nächsten Vollversammlung warten können. Um möglichst viel Expertise zu bündeln, sind im Sprecher*innenkreis Akteure aus vielen verschiedenen Bereichen des regionalen Ernährungssystems repräsentiert.

Bei der Gründungsversammlung am 22. April 2016 wurde ein Kreis von Sprecher*innen aus 12 Personen gewählt. Ergänzt wird der Kreis durch drei nachberufene Sprecher*innen.

 

Christine Pohl
Ich befasse mich seit vielen Jahren mit Ernährung und Landwirtschaft, insbesondere mit der Frage nach einer zukunftsfähigen Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik in einem Kontext von sozialer und globaler Gerechtigkeit. Seit drei Jahren arbeite ich zu diesem Thema für das INKOTA-netzwerk und koordiniere in dieser Rolle seit Mitte 2015 den Aufbau des Ernährungsrats Berlin. Denn für mich ist die Wende zu einem zukunftsfähigen regionalen Ernährungssystem ein dringend notwendiger Schritt, damit auch unser globales Ernährungssystem nachhaltig und gerecht werden kann! Zuvor habe ich mich für Oxfam Deutschland, Friends of the Earth Europe und als freiberufliche Autorin mit Konzernverantwortung, Supermarktmacht, Landgrabbing und Handelspolitik beschäftigt. Während meines Food Policy Master-Studiums in London habe ich mich außerdem intensiv mit regionalen Ernährungssystemen, insbesondere der nachhaltigen und gerechten Ernährung von Städten auseinander gesetzt – dieses Hintergrundwissen kann ich nun in den Ernährungsrat einbringen.
Kochtöpfe: Gesamtüberblick, Politikkontakte & Lobby, Presse & Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerke & Kooperationen, inhaltliche Arbeitsprozesse, interne Organisation, Finanzen

Christian Heymann
In unserer jetzigen Zeit sich mit Ernährung auseinandersetzen wird wichtiger denn je. Täglich haben wir Erzeuger zu kämpfen. Lebensmittel sind billiger denn je. Die Produktionsweise und Art sie herzustellen eine traurige Realität. Die Produkte sind tot und jegliches Leben verloren. Um Ihnen Geschmack zu geben muss man sie mit handwerklichem Sachverstand produzieren. Sorten und Rassen verwenden, die gegen den Massestrom laufen. Ich, Christian Heymann seit nunmehr 20 Jahren Landwirt und seit 4 Jahren den eigenen Landwirtschaft und Gemüsebaubetrieb SpeiseGut führend, kandidiere als Sprecher für den Ernährungsrat, weil es mir wichtig ist, dass Verbraucher direkt erreicht und aufgeklärt werden, wie ihre Lebensmittel produziert werden. Sie sollen die Wertschöpfung wieder erkennen, was ihre Lebensmittel wirklich Wert sind. Sie sollen wieder den Ursprung des Produktes schmecken. Ich denke, ich kann einen fachlichen Beitrag dazu leisten, wenn es um Anbaufragen geht. Durch den ständigen Kontakt mit Verbrauchern kann ich dem Netzwerk mit Informationen dienlich sein.
Kochtöpfe: Politikkontakte & Lobby, Presse & Öffentlichkeitsarbeit, interne Organisation

Florian Niedermeier
Ich betreibe seit 2011 zusammen mit meinen Partnern Bernd Maier und Nikolaus Driessen die Markthalle Neun in Kreuzberg, wo wir versuchen unter dem Banner „Anders Essen, anders einkaufen“, den kleinteiligen Strukturen im Lebensmittelhandwerk und –handel wieder eine Plattform zu geben. Diese Plattform verstehen wir sowohl wirtschaftlich als auch inhaltlich. Für die wirtschaftliche Seite stehen hierfür in erster Linie die verschiedenen Marktformate, und für die inhaltliche Seite vor allem das von uns veranstaltete Festival StadtLandFOOD. Die regionale Verankerung ist für uns ein zentraler Aspekt unserer Arbeit. Mein Ziel für den Ernährungsrat Berlin wäre, die Stadt dazu zu bringen und dabei zu begleiten eine Ernährungswende in Berlin zu schaffen und dabei auf breiter Ebene zu profitieren. Ein guter Ernährungsrat sollte die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte bzw. Vorteile einer solchen Ernährungswende für Berlin und Brandenburg den politischen Entscheidungsträgern zugänglich machen und auf diese Weise an einer neuen öffentlichen Vision für eine Stadternährung mitwirken.
Kochtöpfe: Politikkontakte & Lobby, Netzwerke & Kooperationen,  inhaltliche Arbeitsprozesse, interne Organisation

Gundula Oertel
Essen steht für mich im Mittelpunkt. Als Journalistin (u. a. für das Slow Food Magazin) ebenso wie als Autorin (des Buchs „Taste the Waste – Rezepte und Ideen für Essensretter“; zusammen mit Dokumentarfilmer Valentin Thurn). Dabei interessiert mich der politische Aspekt des Themas in all seinen Facetten. Ich bin in Berlin geboren, habe Biologie und Germanistik an der FU studiert, das Referendariat an Berliner Gymnasien absolviert und mehr als 10 Jahre für den BUND e.V. und zwei Jahre bei foodwatch e.V. gearbeitet. Zeiten, in denen mich lokale und globale Bedingungen und Folgen unserer Ernährung als Kampagnenthemen ebenso beschäftigt haben wie Wahlfreiheit und Transparenz im Lebensmittelbereich. An den grundlegenden Zielstellungen für einen Ernährungsrat in Berlin habe ich mitgewirkt, weil ich denke, dass ein zukunftsfähiges Ernährungssystem nur dort verwirklicht wird, wo engagierte Bürger*innen dies zu ihrer ureigenen Angelegenheit machen. Das ist es, was ich gemeinsam mit Gleichgesinnten für Berlin erreichen will. Deshalb kandidiere ich als Sprecherin für diesen Rat!
Kochtöpfe: Politikkontakte & Lobby, Presse & Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerke & Kooperationen, inhaltliche Arbeitsprozesse

Henrike Rieken
Aufgewachsen zwischen schwarzbunten Milchviehherden in Ostfriesland kam ich 2000 zum Studium der Agrarwissenschaften nach Berlin. Meine Schwerpunkte sind Ökolandbau und landwirtschaftliche Beratungs- und Kommunikationslehre. Spannend finde ich die Gestaltung und Begleitung von Austauschprozessen im Kontext der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Seit 2012 bin ich Koordinatorin des „InnoForums Ökolandbau Brandenburg“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Ich moderiere ein breites Netzwerk aus Brandenburger Öko-Landwirt*innen und habe darüber vielfältige Einblicke in den Brandenburger Ökolandbau und kenne die Herausforderungen mit denen z.B. die Erzeuger*innen und Verarbeiter*innen – u.a. auch an der Schnittstelle Stadt/Land – zu kämpfen haben. Diese Erfahrungen möchte ich gerne in die Arbeit des Ernährungsrates einfließen lassen. Für mich bedeutet ein nachhaltiges Ernährungssystem die Gestaltung eines fairen Systems, welches den Akteuren einer regionalen Land- und Ernährungswirtschaft eine lebenswerte Grundlage schafft sowie Stadt und Land mit nachhaltigen Produkten versorgt. Dafür möchte ich mich im Ernährungsrat einsetzen.
Kochtöpfe: inhaltliche Arbeitsprozesse, interne Organisation, Finanzen

Lea Kliem
Als Sprecherin möchte zu der Erarbeitung konkreter politischer Empfehlungen und Projekte, ins besondere in den Bereichen direkte Vermarktung, Transparenz und Bodenbesitz, beitragen. Während der letzten Jahre habe ich Umweltpolitik in Oxford studiert und gleichzeitig den Aufbau eines nachhaltigen Ernährungsnetzwerks (Good Food Oxford Network) vorangetrieben. In meiner Masterarbeit habe ich mich damit beschäftigt, wie sich städtische Ernährungsräte effektiv in politische Prozesse einbringen können. Mit dieser Expertise möchte ich aktiv zum Berliner Ernährungsrat beitragen.  Nach meinem Studium habe ich für Sustain Ontario – The Alliance for Food and Farming eine Arbeitsgruppe zur urbanen Ernährungspolitik in Toronto, Kanada koordiniert. Anfang dieses Monats bin ich nach Berlin gezogen und suche nun nach Möglichkeiten mich lokal für zukunftsfähige Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik zu engagieren. Derzeit bin ich Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) beschäftigt.
Kochtöpfe: Politikkontakte & Lobby, Netzwerke & Kooperationen, inhaltliche Arbeitsprozesse, interne Organisation

Marita Wiggerthale
Ich bin auf einem Bauernhof zwischen Kühen, Schweinen und Butterblumen aufgewachsen. Die Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft hierzulande sowie in Ländern des globalen Südens ist mir ein echtes Herzensanliegen. Nach meinem Magisterstudium der Politik, Wirtschaft und Pädagogik war ich in Brüssel bei der Internationalen Katholischen Landjugendbewegung tätig und arbeitete dann bei Germanwatch als Lobbyistin im Handelsbereich bevor ich zu Oxfam Deutschland wechselte. Dort arbeite ich seit mehr als 10 Jahren in dem Bereich Landwirtschaft & Ernährung. Ich habe mich dabei mit der EU-Agrarpolitik und der Einkaufsmacht von Supermarktketten genauso beschäftigt wie mit Ernährungssouveränität, Agrarökologie und dem Recht auf Nahrung. Als Sprecherin des Ernährungsrates Berlin möchte ich Stadt und Land sowie Verbraucher*innen und bäuerliche Erzeuger*innen zusammenbringen. Die Berliner Politik sollte eine nachhaltige, lokale bzw. regionale Produktion für den Berliner Markt und deren Direktvermarktung fördern und sich insbesondere für eine gesunde Ernährung von benachteiligten und diskriminierten Gruppen einsetzen.
Kochtöpfe: Politikkontakte & Lobby, Presse & Öffentlichkeitsarbeit, inhaltliche Arbeitsprozesse

Timo Kaphengst
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Rollen und Funktionen mit Landbewirtschaftung, Natur- und Ressourcenschutz, gesellschaftlichem Wandel und Ernährung. Derzeit bin ich selbständig als Berater für soziale Innovationen tätig, freier Mitarbeiter bei der e-fect eG und arbeite am Ecologic Institut in Berlin. Von Anfang 2014 bis Februar 2016 habe ich als Vorstandsmitglied der Uferwerk Genossenschaft aktiv dazu beigetragen, ein sozial-ökologisches Bau- und Wohnprojekt in Werder (Havel) aufzubauen. Gemeinsam haben wir den Verein Stadt-Land.move gegründet, um nachhaltige Stadt-Land-Beziehungen in Berlin-Brandenburg durch Vernetzung und konkrete Projekte voranzubringen. Ein aktueller Schwerpunkt unserer Arbeit ist die regionale Versorgung von Lebensmitteln. Mich interessieren praktisch umsetzbare Strategien, um Flächensicherung, regionale Lebensmittelvermarktung, Reduzierung von Lebensmittelabfällen und eine höhere Wertschätzung von Nahrungsmitteln durch neue Allianzen von Akteuren und innovative Finanzierungsmodelle voranzubringen.
Kochtöpfe: Politikkontakte & Lobby, Netzwerke & Kooperationen, interne Organisation, Finanzen

Timo Schmitt
Schon als Kind hatte ich durch die Familie meines Vaters, die bis heute einen Bauernhof betreibt, einen Bezug zur Landwirtschaft. Ich studierte Oecotrophologie in Münster mit den Schwerpunkten Ernährungsökologie und Humanitäre Hilfe. Dort hatte ich auch den ersten Kontakt mit Lebensmittelrettung durch die Tafel. Schnell wurde mir klar, dass ein zukunftsfähiges Ernährungssystem stark vom finanziellen Background der Akteure*innen abhängig ist. So wie Ernährung in jeder Lebensphase eine essentielle Bedeutung hat, ist sie auch ein Thema aller Bevölkerungsgruppen. Ein zukunftsfähiges Ernährungssystem lässt sich nur implementieren, wenn wir alle Menschen miteinbeziehen. Diese Erkenntnis brachte mich dazu, mein Praxissemester bei der Berliner Tafel zu absolvieren, wo ich mit meiner Diplomarbeit den Grundstein für ein erfolgreiches ernährungspädagogisches Angebot für Heranwachsende legte. Daneben habe ich mich immer wieder aktiv beteiligt bei Organisationen wie Slow Food/Youth Food Movement, foodsharing und Kampagnen wie ‚Teller statt Tonne‘ und einem interkulturellen Urban Gardening Projekt. Themen, die ich im Ernährungsrat besonders vertrete: Solidarität, Wertschätzung und Ernährungskompetenz/-souveränität.
Kochtöpfe: Politikkontakte & Lobby, Presse & Öffentlichkeitsarbeit, inhaltliche Arbeitsprozesse

Willi Lehnert
Ich kandidiere für den Ernährungsrat, weil eine regionale und ökologische Stadtversorgung nur mit der Landwirtschaft aus dem Umland gelingen kann. Dafür brauchen wir als Basis engagierte Bäuerinnen und Bauern mit Mut, Idealismus und Überzeugung. Diese Menschen möchte ich unterstützen und damit Stadt und Land vom Acker bis zum Küchentisch verbinden. Als Agrarwissenschaftler bewege ich mich seit einigen Jahren in der Brandenburger Landwirtschaft. Meine Fokusthemen sind Bodenpolitik und die Förderung von Existenzgründungen. Mitinitiiert habe ich das Bündnis Junge Landwirtschaft, dieses setzt sich in der Politik auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene für die Interessen von Existenzgründern ein und ist als Netzwerk von jungen Landwirtschaftsbetrieben in Brandenburg etabliert. Die Motivation als Mitgründer der Ökonauten eG ist mein Angebot, das jedeR Teil einer Agrarwende werden kann. Um Boden langfristig für den ökologischen Landbau in Berlin-Brandenburg zu sichern und Existenzgründer aktiv zu unterstützen. – Was mir im Ernährungsrat wichtig ist: Ich möchte Politik zum Handeln ermutigen, Berlin sollte seine Interessen deutlicher formulieren. Brandenburg kann das große Potential des Absatztmarktes vor der Haustür besser nutzen. Konkrete Lösungsansätze bieten wir an.
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Nachberufungen

Wie in der Satzung niedergelegt, kann der Sprecher*innenkreis zur Ergänzung und Verstärkung bis zu fünf  weitere Mitglieder nachberufen. Die nachberufenen Sprecher*innen sind nicht stimmberechtigt, bis sie durch eine Vollversammlung bestätigt werden.

Der Sprecher*innenkreis hat drei Sprecher*innen nachberufen: Daniela Marx (Vorstellung siehe oben) wurde bereits am 7. November 2016 von der Vollversammlung im Amt bestätigt. Oke Anyanwu und Sylke Zwicker werden sich zur Bestätigung durch die Vollversammlung beim ersten Termin im 2017 vorstellen.

Oke Anyanwu
Als Bildungsreferent für Globales Lernen an Schulen und außerschulischen Einrichtungen mit den Schwerpunkten Ernährungssouveränität, Fairer Handel, sowie Nachhaltigkeit engagiere ich mich seit vielen Jahren in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen für Globale Gerechtigkeit, Ernährungssicherheit und die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung. Jahrelange Tätigkeit im Fairen Handel und meine Arbeit in der umwelt- und entwicklungspolitischen Bildungsarbeit haben mich darin bestärkt, mich mehr gegen Land sowie Ocean Grabbing in den Ländern des Südens durch Bewusstseinsbildung hier vor Ort einzusetzen. Mein Anliegen als Teammitglied des Sprecher*innenkreis wird es sein, dazu beizutragen, dass die Einbindung von Südstimmen und Perspektiven aus dem Globalen Süden im Berliner Ernährungsrat gewährleistet wird.

Sylke Zwicker
Seit dem Ende meines Studiums der Agrarwissenschaften an der HUB 1992 bewirtschafte ich zusammen mit meinem Partner einen gärtnerischen Familienbetrieb 130 km südlich von Berlin. Auf rund 25ha betreiben wir naturnahen Obstanbau mit Direktvermarktung und eigener Verarbeitung, sind aktiv am EU-Schulobstprogramm und „Tag der Regionen“ beteiligt. Als qualifizierte Naturpädagogin arbeite ich seit vielen Jahren mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zum Thema Umweltbildung, Naturbewusstsein, ganzheitlichem Lebensstil in Form von Training, Beratung, Kommunikation. Ich erwarb eine med. Grundausbildg. Kenntnisse in Ayurveda und Pflanzenheilkunde. Mein Bestreben ist konsequente Transparenz in der Erzeugung, kurze Wege, faire Preise, faire Löhne. Ich will mich sehr gern in den Ernährungsrat einbringen, nicht zuletzt für ein sinnvolles Miteinander, sodass bäuerliche Strukturen sich ethisch, ökologisch und ökonomisch an Verbraucher-Bedürfnissen ausrichten können. Seit 1991 sind wir Mitglied in der Fördergem. Ökolog. Obstbau e.V. und ich selbst Vorstandsmitglied bei Eigenständige Regionalentwicklung im Jessener Land e.V.