Regiowoche 2018: Überblick über Ziele & Ablauf
Ausgangspunkt: Forderungen des Ernährungsrats
Die Regiowoche 2018 entstand aus einem intensiven zivilgesellschaftlichen Diskussionsprozess innerhalb des Ernährungsrat Berlin.
Zwei zentrale Forderungen aus dem Forderungskatalog bildeten die Grundlage:
Forderung 7 – „Die Stadt als Leuchtturm“
Berliner Gemeinschaftsverpflegung soll Vorbild für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem werden.
Forderung 8 – „Bildung für Kopf und Bauch“
Ernährungspraktisches Lernen soll vom Acker bis zum Teller erfahrbar sein.
Die Regiowoche verknüpft beide Ansätze in einem praktischen Modellprojekt.
Die Idee: Bio-regional essen und verstehen
Vom 1.-5. Oktober wurden 50.000 Schüler*innen an über 275 Berliner Schulen mit bio-regionalen Mahlzeiten versorgt. Gleichzeitig wurde transparent gemacht, woher die Zutaten stammen, wie sie verarbeitet wurden und welche Menschen entlang der Wertschöpfungskette beteiligt waren.
Die Regiowoche war damit:
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praktische Erprobung bio-regionaler Schulverpflegung
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Bildungsformat
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politisches Signal
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und Instrument zur Analyse struktureller Rahmenbedingungen
Sie zeigte exemplarisch, welche systemischen Herausforderungen und Möglichkeiten bei der langfristigen Etablierung bio-regionaler Schulverpflegung bestehen.
Umsetzung: 1.-5. Oktober 2018
Gefördert durch den Berliner Senat und in enger Zusammenarbeit mit dem Verband der Berliner und Brandenburger Schulcaterer e.V. wurde die erste Berliner Regio-Woche realisiert. Unterstützt wurde das Projekt von Produzent*innen, Verarbeiter*innen, Köch*innen, Pädagog*innen, zivilgesellschaftlichen
Initiativen, politischen Akteur*innen. Die beteiligten Caterer übernahmen die entstehenden Mehrkosten für Beschaffung und Zubereitung.
In der Woche vom 1. bis 5. Oktober 2018 erhielten bis zu 60.000 Schüler*innen pro Tag an 275 Berliner Schulen bio-regionale Mahlzeiten.
Serviert wurden:
Kartoffeln mit Kräuterquark
Spirelli mit Hackfleischsauce
Kürbissuppe und Milchgrieß mit Apfelmus
Möhreneintopf mit Vollkornbrot
Bildung vom Acker bis zum Teller
Die Gerichte wurden von begleitenden Bildungsmodulen flankiert – unter anderem zu Milch, Fleisch, Brot und Gemüse. Arbeitsblätter und Videos über beteiligte Erzeuger*innen standen Lehrkräften online zur Verfügung. Zusätzlich konnte die Herkunft der Zutaten transparent nachvollzogen werden. So wurde Schulverpflegung direkt mit Ernährungsbildung verknüpft.
Begleitende Maßnahmen
Neben der praktischen Umsetzung umfasste die Regiowoche:
eine Auftakt- und eine Abschlussveranstaltung unter Beteiligung politischer Akteur*innen
aktive Pressearbeit und Social-Media-Kommunikation
eine explorative Evaluierung der Umsetzung
Vor- und Nachbereitung zur Identifikation struktureller Herausforderungen.
Ziele der Regiowoche
Die Regiowoche sollte:
gutes Essen für die Schulgemeinschaft sichtbar machen
transparent zeigen, wie bio-regionale Mahlzeiten entstehen
Bewusstsein für nachhaltige Ernährungssysteme schaffen
Wertschätzung für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette fördern
bürokratische und strukturelle Hürden identifizieren
Lösungsansätze für langfristige Veränderungen entwickeln
Warum Schulverpflegung?
Warum setzt die Regiowoche bei der Schulverpflegung an?
Schulverpflegung ist weit mehr als Nahrungsaufnahme. Sie wirkt an mehreren zentralen Schnittstellen des Ernährungssystems:
Kaufkraft und Marktmacht: Öffentliche Beschaffung beeinflusst Produktions- und Lieferstrukturen.
Regionale Wertschöpfung: Nachfrage kann regionale Kreisläufe stabilisieren.
Kompetenzaufbau: Ernährungsbildung stärkt langfristige Handlungskompetenzen.
Soziale Inklusion: Gemeinsames Essen ist Teil schulischer Gemeinschaft.
Ökologische Nachhaltigkeit: Herkunft und Produktionsweise beeinflussen Umweltwirkungen.
Durch die Einbindung zahlreicher Akteur*innen besitzt Schulverpflegung eine erhebliche Hebelwirkung für strukturelle Veränderungen.
