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Gestaltungsspielraum: Ernährungsumgebungen

Mit einer Seminarreihe haben wir die Gestaltungsspielräume in städtischen Ernährungsumgebungen aufgezeigt. Ziel war es, gemeinsam mit Mitarbeitenden der Berliner Verwaltungen zu erkunden, wie Stadtplanung, Verwaltungsaufgaben und die Berliner Ernährungsstrategie wirkungsvoll ineinandergreifen können.

Die Seminare

Seminar 1 bot einen Einstieg in das Recht auf Nahrung sowie in die Möglichkeiten einer stadtentwicklungspolitischen Perspektive auf Ernährungsumgebungen. Das Seminar wurde aufgezeichnet und kann auf Youtube abgerufen werden

Seminar 2 und 3 ermöglichten einen Blick in die Vergangenheit. Denn seit jeher gestalten Bürgerschaft, städtische Verwaltungen und Unternehmen die Versorgungssysteme – und damit auch die Ernährungsumgebungen unserer Städte. Gemeinsam mit Stefan Zollhauser von der Berliner Spurensuche und Britta Schautz von der Berliner Verbraucherzentrale begaben wir uns auf eine eindrucksvolle Stadtreise in die Geschichte und in das Archiv der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

Dabei wurde deutlich, dass Armut, Wohnraummangel und Nahrungsmittelknappheit schon immer Symptome von Ausbeutung und struktureller Gewalt waren – und dass insbesondere Frauen und Kinder in besonderem Maße betroffen sind und waren. Gleichzeitig zeigte sich, wie Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Medizin und progressiver Stadtentwicklung frühzeitig Versorgungsstrukturen im Sinne von Sozialpolitik, Hygiene, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geplant und gestaltet haben. So entstanden beispielsweise Markthallen, um Lebensmittel zentral, überdacht, gekühlt und hygienischer als auf offenen Marktplätzen anbieten zu können. Auch das Schulessen wurde in Berlin bereits im frühen 20. Jahrhundert mit Blick auf seinen Nährwert sowie die öffentliche Versorgungsverantwortung dokumentiert und finanziert.

Seminar 4 und 5 richteten den Blick auf die heutigen Handlungsspielräume von Städten und Bezirken. Franziska Wiebke, Doktorandin an der Universität Paderborn, forscht zu Kompetenzverteilungen zwischen EU, Bund und Ländern. In ihrem Vortrag zeigte sie auf, welche Hebel und Handlungsmöglichkeiten dem Land Berlin und den Bezirken zur Verfügung stehen, um beispielsweise die Auswirkungen von Lebensmittelwerbung oder das Angebot ungesunder Nahrungsmittel zu begrenzen. Beispiele aus den Niederlanden und Großbritannien verdeutlichten zudem, dass Städte und Kommunen in anderen Ländern hier bereits deutlich weiter sind.

Seminar 6 hat eindrücklich gezeigt, wie zentral und zugleich praktikabel Verhältnisprävention sein kann. Unsere Kolleginnen Amna Alhashemi und Wiebke Beushausen von der Humboldt-Universität zu Berlin stellten erste ermutigende Zwischenergebnisse aus dem Projekt „Gemüse auf Rezept“ vor. Ärzt*innen begrüßen die Möglichkeit, präventiv und alltagstauglich zu handeln – also anzusetzen, bevor eine medizinische Behandlung notwendig wird. Die Teilnehmenden berichten von gesteigertem Wohlbefinden, mehr Motivation und wachsender Selbstwirksamkeit.

Auch Lucie Dubois, Doktorandin an der Université de Strasbourg, zeigte am Beispiel der der „Sécurité sociale de l’alimentation“, wie in vielen französischen Kommunen solidarische Kassensysteme entstehen, die allen Menschen Zugang zu gesunden, nachhaltigen Lebensmitteln ermöglichen. Diese Initiativen werden häufig zivilgesellschaftlich angestoßen, erhalten jedoch zunehmend politische und kommunale Unterstützung. In Straßburg gibt es seit 2023 zudem ein städtisches Sozialrezept für Bio-Gemüse für Schwangere, um die chemische Belastung während der Schwangerschaft gezielt zu reduzieren.

Ansprechpartnerinnen:

Recht auf Nahrung & Ernährungsumgebung:
Saskia Richartz
saskia.richartz@ernaehrungsrat-berlin.de
Mobil: 0177-8905054