PM: „House of Food“ nach Tempelhof! Für einen gemeinwohlorientierten Ernährungswende-Campus

PRESSEMITTEILUNG  

Der Berliner Ernährungsrat fordert, das vom Senat geplante „House of Food“ im ehemaligen Flughafen unterzubringen: Die Immobilie gehört dem Land und bietet reichlich Platz für einen Campus, auf dem viele zukunftsfähige Initiativen am selben Strang ziehen. 

In den nächsten Tagen wird die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung entscheiden, wer den Zuschlag für die Gründung und den Betrieb des „House of Food“ (Arbeitstitel HoF) in Berlin bekommt (Verfahrensnummer: 2019-03). Im Juli soll laut Ausschreibung die Vorbereitungsarbeit beginnen. Ziel des Berliner Senats ist es, den Anteil von bioregionalen Lebensmitteln in den kommunalen Küchen, etwa von Kantinen, Schulen oder Kitas, deutlich zu erhöhen. Die Machbarkeit des Vorhabens in Berlin wurde vorab von einem Gutachter geprüft, seine Empfehlungen werden jedoch leider geheim gehalten.

Der Standort des HoF, wo u.a. die Köchinnen und Köche beraten und geschult werden sollen, steht noch nicht fest. Der Berliner Ernährungsrat fordert, die neue Institution so zu platzieren, dass dort genügend Raum ist für vielfältige weitere Initiativen der Berliner Ernährungswende. Im Tempelhofer Flughafen gibt es eine 1000 Quadratmeter große Etage mit fünf Küchen, Kantinenräumen und Sälen, die Zugang zu einem grünen Innenhof haben und gegenwärtig leer stehen. Hier könnte nicht nur das HoF mit seinem Raumbedarf von 250 Quadratmetern einquartiert werden. Es gibt auch ausreichend Platz für Kochkurse und Ernährungs-Workshops für Eltern und Kinder, interkulturellen Austausch, die Verarbeitung regionaler Produkte in gemeinwohlorientierten Kleinbetrieben sowie für eine zukunftsfähige Lebensmittelversorgung und Esskultur als Forschungsgegenstand.

Für das Gebäude zuständig ist die landeseigene Tempelhof Projekt GmbH. Sie hat bereits bestätigt, dass eine Nutzung des Gebäudetrakts im Sinne eines ernährungspolitischen „Wende-Campus“ möglich ist.

„Das HoF kann und darf aber nur ein Einstieg in die Berliner Ernährungswende sein“, sagt Christine Pohl, eine der Gründer*innen des Berliner Ernährungsrats und Mitglied im Sprecher*innenkreis. „Genau jetzt gibt es die Chance, in Tempelhof den Grundbaustein für einen Campus zu legen, auf dem ein zukunftsfähiges urbanes Ernährungssystem entwickelt wird. Das HoF kann hier zum Türöffner für etwas wirklich Großes werden“.

Pohl verweist auf das Regierungsprogramm der rot-rot-grünen Landesregierung, wo es heißt: „Die Koalition wird zusammen u.a. mit dem Berliner Ernährungsrat eine zukunftsfähige, regional gedachte Berliner Ernährungsstrategie entwickeln.“ Berlin hatte 2015 als eine der ersten Städte weltweit den Mailänder Pakt (MUFPP) unterzeichnet und sich damit umfassend zu nachhaltiger Ernährungspolitik verpflichtet. Dazu gehört die Versorgung aller Stadtbewohner*innen mit gutem, bezahlbarem Essen, ohne dass dies auf Kosten der Umwelt oder anderer Weltregionen geht.

Im Berliner Ernährungsrat haben sich Akteur*innen aus Berlin und Brandenburg, aus Wissenschaft und Praxis und vom Acker bis zu Topf und Teller zusammengeschlossen. Das breite zivilgesellschaftliche Bündnis steht für einen ganzheitlichen Ansatz und will die Berliner Bevölkerung stärker in einen demokratischen Entwicklungsprozess einbinden. Weil die Ausschreibung für das „House of Food“ sehr eng formuliert war, hatte der Berliner Ernährungsrat selbst eine Interessenbekundung abgegeben, die aber die zweite Verfahrensstufe nicht erreichte. Zahlreiche Organisationen, Institutionen, Unternehmen und Personen hatten die Interessenbekundung unterstützt. „Wenn es um die Zukunft unserer Ernährungssysteme geht, halten wir die Gemeinwohlorientierung für zentral. Deshalb eignet sich ein kooperativer Ansatz viel besser dafür als ein privatwirtschaftlicher Wettbewerb“, erklärt Christine Pohl.

Weitere Infos unter:

Erklärung zu unserer Abgabe einer Interessensbekundung zur Projektförderung für das HoF:  http://ernaehrungsrat-berlin.de/2019/03/28/pressemitteilung-28032019/

Nachfragen bei:

presse@ernaehrungsrat-berlin.de oder

Annette Jensen: 0170-2353115
Christine Pohl: 0152-51655502
Gundula Oertel: 0177-5701525

Ernährungsrat-Stammtisch am 28. Mai

Foto: Vagabund Brauerei

Sind Euch auf den Vollversammlungen die Pausen auch immer zu kurz? Wollt ihr Euch einfach mal ohne Tagesordnung und Moderation unterhalten? Dazu gibt es jetzt die Gelegenheit bei unserem Stammtisch: Der nächste findet am 28. Mai ab 18:00 in der Vagabund-Brauerei in der Antwerpener Str. 3 statt.

Bericht Vollversammlung & Debattencamp

Ernährungspolitisches Debattencamp im Rahmen der Vollversammlung

Am 08. Mai 2019 haben wir im Rahmen unserer Frühlings-Vollversammlung zu einem Debattencamp über die Berliner Ernährungsstrategie sowie die heiße Frage nach dem Zugang zu gutem Essen für alle in die Alte Zollgarage (Flughafen Tempelhof) geladen. Wieder waren viele Aktive mit dabei. Gut 50 Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen – Verbände und Vereine, Erzeuger*innen, Wissenschaft sowie interessierte Verbraucher*innen waren zur Debatte zusammengekommen. Besonders gefreut haben wir uns, dass wieder rund ein Viertel neue Interessierte hinzugekommen sind, um sich am ernährungspolitischen Diskurs zu beteiligen!

Themenblock 1: Zukunftsfähige Ernährungsstrategie – was nun?

In einem Fish-Bowl Format wurde angeregt darüber diskutiert, wie sich der Ernährungsrat im Rahmen der Ernährungsstrategie des Senats noch stärker für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem positionieren kann und inwiefern die Arbeit stärker politisch ausgerichtet werden soll. Wir haben uns sehr über die vielen energetischen und konstruktiven Beiträge gefreut. Hier findet sich ein ausführliches Fotoprotokoll des Debattenverlaufs.

Abschließend wurde darüber abgestimmt, ob der Ernährungsrat noch stärker als bisher politisch aktiv werden bzw. als eigenständiger politischer Akteur auftreten und seine Forderungen auch auf die Straße bringen soll. Das Stimmungsbild zu dieser Frage war einheitlich positiv, mit nur zwei Enthaltungen.

Themenblock 2: Zugang zu gutem Essen für alle – aber wie?

Im zweiten Teil wurde das komplexe Thema angerissen sowie eine Tischvorlage für ein Positionspapier zu „Zugang zu gutem Essen für alle“ vorgestellt und andiskutiert. Auf Pinnwänden wurde Feedback gesammelt und vereinbart, Räume für die weitergehende Diskussion zu schaffen: zum einen soll das Positionspapier im Rahmen einer Schreibwerkstatt weiterentwickelt werden, und zum anderen wollen wir unsere Strategiewerkstätten für die weitere Diskussion nutzen sowie eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema organisieren. Hier findet sich ein Fotoprotokoll des Diskussionsverlaufs.

Abstimmungen im Rahmen der Vollversammlung

Zudem wurde im Rahmen der Vollversammlung Friederike Gaedke als neue Sprecher*in vom Plenum mit 45 Ja-Stimmen, 5 Enthaltungen und keinen Gegenstimmen bestätigt. Herzlich willkommen, Frieda! Den aktuellen Sprecher*innenkreis findet ihr hier.

Markt der Möglichkeiten

Last but not least gab es einen „Markt der Möglichkeiten“ – die eingegangenen Aufrufe und Informationen findet Ihr hier.

Ernährungspolitisches Debattencamp

Am 08. Mai 2019 haben wir im Rahmen unserer Frühlings-Vollversammlung zu einem Debattencamp über die Berliner Ernährungsstrategie sowie die heiße Frage nach dem Zugang zu gutem Essen für alle in die Alte Zollgarage (Flughafen Tempelhof) geladen. Zunächst wurden alle Teilnehmer*innen auf ihrem Wissensstand abgeholt und über den Prozess der Erstellung einer Berliner Ernährungsstrategie durch den Senat sowie die Einbringung und Positionen des Ernährungsrats hierzu informiert.

In einem Fish-Bowl Format wurde anschließend angeregt darüber diskutiert, wie sich der Ernährungsrat im Rahmen der Ernährungsstrategie des Senats noch stärker für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem positionieren kann, wie die Forderungen des Ernährungsrat besser in die Breite getragen werden können und inwiefern die Arbeit stärker politisch ausgerichtet werden soll. Des Weiteren wurde die Übertragbarkeit von direkten Formen der Demokratie wie zum Beispiel Bürger*innenräten diskutiert. Hier findet sich ein ausführliches Fotoprotokoll des Debattenverlaufs.

Anschließend wurde das komplexe Thema „Zugang zu gutem Essen für alle“ angerissen: z.B. die mögliche Rolle von kollaborativen/genossenschaftlichen Supermärkten, die Debatte um die Markthalle Neun sowie solidarische Konzepte um der scheinbaren Dichotomie zwischen Bio und bezahlbar entgegen zu wirken etc. Hier findet sich ein Fotoprotokoll des Diskussionsverlaufs.

Es wurde zudem der Entwurf eines Grundsatzpapiers vorgestellt, auf Pinnwänden Feedback gesammelt und vereinbart, Räume für die weitergehende Diskussion zu schaffen: zum einen soll das Papier im Rahmen einer Schreibwerkstatt weiterentwickelt werden, und zum anderen wollen wir unsere Strategiewerkstätten für die weitere Diskussion nutzen sowie eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema organisieren.

Diese Veranstaltung fand statt mit finanzieller Unterstützung durch die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung.

Für die Inhalte ist allein der Ernährungsrat Berlin verantwortlich