Berliner Ernährungsrat spricht mit Bundestagsabgeordneten

Bei einem parlamentarischen Frühstück kam der zivilgesellschaftliche Schattenbericht zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele auf den Tisch

Der Berliner Ernährungsrat konnte am 30. Januar die Arbeit von Ernährungsräten im deutschsprachigen Raum bei einem parlamentarischen Frühstück im Bundestag vorstellen. Eingeladen hatten Forum Umwelt & Entwicklung, VENRO und Bettina Hoffmann, umweltpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen. Anwesend waren Abgeordnete und Mitarbeiter*innen aller Fraktionen (außer der AfD), die meisten aus dem Umfeld des parlamentarischen Beirats für Nachhaltige Entwicklung.

Den thematischen Überbau bildete der zivilgesellschaftliche Schattenbericht zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) in Deutschland, der 2018 veröffentlicht worden ist. Darin hatten auch Vertreter*innen des Berliner Ernährungsrats einen Beitrag veröffentlicht. Daran anknüpfend wurde umrissen, wie Ernährungsräte „vor der eigenen Haustür“ anfangen, die Ernährungswende voranzutreiben. Auch das Bündnis Bürgerenergie stellte seine Aktivitäten vor. Die Abgeordneten würdigten die Arbeit beider Initiativen als wichtige Beiträge, vom Reden ins Handeln zu kommen.

Mediterranen Esskulturen in die Töpfe geschaut

Yeşil Çember und Ernährungsrat Berlin veranstalteten auf der Grünen Woche gemeinsam eine türkische Kochshow

Sonntag, 20. Januar 2019. Auf der Internationalen Grünen Woche schiebt sich ein Strom von Besucher*innen durch die Messehallen. In der Berlin Halle bereiten sich Seval Maya und Gönül Tiftik derweil auf ein ganz besonderes mediterranes Kochevent vor. Die beiden Frauen der türkischen Umweltorganisation Yeşil Çember (Türkisch für „Grüner Kreis“) haben den ganzen Samstag mit Vorbereitungen verbracht, um heute drei für ihre Esskultur typische Speisen zu präsentieren.

Seval Maya und Gönül Tiftik

Frisch zubereitet wird heute Melemen, ein sehr populäres Frühstücksgericht, das v.a. aus Eiern, frischem Gemüse (Paprika, Tomaten) und Olivenöl besteht. Serviert wird es traditionell in einem Kupfertopf. Als zweites Gericht haben Seval und Gönül typische Hausmannskost vorbereitet, die selten im Restaurant auf den Tisch kommt: Zeytinyağlılar. Diese kühl servierte Kombination aus Lauch, Möhre, Reis und Zitrone schmeckt äußerst erfrischend. Den krönenden Abschluss bildet Aşure, eine süße Suppe, die am Vortag über mehrere Stunden im Topf köchelte. Hinein kommen Bohnen, Kichererbsen, Hartweizen, zahlreiche Nusssorten und Trockenobst. Abschließend wird das Dessert mit Zimt und Granatapfel dekoriert. Beim Publikum fanden alle Gerichte begeisterten Anklang. Daher haben wir hier weiter unten die Rezepte zur Verfügung gestellt.

Warum bietet der Ernährungsrat Berlin eine türkische Kochshow an?

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Niklas Schäfer den Berliner Ernährungsrat vor. Neben der öffentlichen Erklärung unserer grundlegenden Positionen sollte dieses Kochevent einen Aspekt besonders hervorheben: Der Ernährungsrat Berlin tritt für ein vielfältiges und sozial gerechtes Ernährungssystem ein, das allen Bürger*innen Zugang zu gutem und kulturell angepasstem Essen ermöglicht – unabhängig von Einkommen, kulturellem Hintergrund, Bildung, Geschlecht oder Herkunft. In Berlin leben etwa 200.000 türkischstämmige Bürger*innen – deren Mitsprache bei der Entwicklung eines zukunftsfähigen Ernährungssystem nicht fehlen darf. Gülcan Nitsch, die u.a. zu den Sprecher*innen des Berliner Ernährungsrats gehört, verbreitet diese Botschaft auch mit dem von ihr 2006 gegründeten Verein Yeşil Çember. Mit zweisprachigen und kultursensiblen Aufklärungsmaterialien, Umweltschulungen, Workshops und Naturexkursionen sensibilisiert Yeşil Çember die türkischsprachige Community in Deutschland für mehr Umweltschutz und nachhaltige Lebensstile. Dabei spielt auch das Thema (gesunde) Ernährung eine zentrale Rolle. Mehr über die wegweisende Arbeit von Yeşil Çember findet Ihr hier.

Ein Dank gilt zudem Margit Gottstein, Berliner Staatssekretärin für Verbraucherschutz, die auf der Bühne tatkräftig mitschnippelte, -kochte und -moderierte.

Von Links nach Rechts: Niklas Schäfer, Gönül Tiftik, Seval Maya, Gülcan Nitsch, Margit Gottstein

++ Hier findet Ihr alle im Artikel genannten Rezepte zum Nachkochen!  ++

Wir haben es satt – so war die Demo

Lautstark, bunt und entschlossen – so haben wir am Samstag mit 35.000 Menschen in Berlin eine faire Agrarreform und eine klimagerechte Landwirtschaft gefordert. Mit dabei: die Ernährungsräte aus Berlin, Köln, Bonn, Frankfurt am Main, Oldenburg, München, Hamburg und Hannover.

Hier gibt’s noch ein paar Eindrücke von der gesamten Demo und die inspirierende Rede unserer Sprecherin Lea Kliem bei der Auftaktkundgebung!

Positionspapier: Agrarökologie stärken

Für eine grundlegende Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme

Armut, Hunger, Artensterben, Bodenzerstörung, Klimakrise – hunderte Millionen von bäuerlichen ErzeugerInnen sind davon betroffen. Die industrielle Landwirtschaft bedroht nachweislich die Existenz (klein-)bäuerlicher ErzeugerInnen und gefährdet die natürlichen Lebensgrundlagen hierzulande und im globalen Süden. In dem PositionspapierAgrarökologie stärken. Für eine grundlegende Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme fordern 56 zivilgesellschaftliche Organisationen die Bundesregierung auf, Agrarökologie zum zentralen Förderkonzept zur Armutsbekämpfung und zur Anpassung an die Klimakrise zu machen und sie als Grundlage für eine Reform der EU-Agrarpolitik zu nutzen. Der Ernährungsrat Berlin hat das Papier mit gezeichnet.

Wir haben es Satt! Auf zur Demo!

Der Ernährungsrat Berlin wird gemeinsam mit anderen Ernährungsräten aus Deutschland diesen Samstag (19. Januar) auf der großen “Wir haben es Satt”-Demo einen Block bilden. Wer noch Lust hat dazu zu stoßen: Der Treffpunkt ist um 11:30 an der Ebertstraße, zwischen Behrenstraße und Straße des 17. Juni. Hier die genauen Koordinaten.

Mehr Infos zur Demo findet ihr hier.