Pressemitteilung: Wassersuppe statt Nährwert: Berliner Senatsplänen zur Ernährungswende fehlt der strategische Weitblick!

Justiz-Senator Behrendt, in dessen Ressort laut rot-rot-grünem Koalitionsvertrag eine „zukunftsfähige und regional gedachte Ernährungsstrategie“ für Berlin entwickelt werden soll, will am morgigen Mittwoch seinen im Abgeordnetenhaus gebilligten „Aktionsplan“ dazu veröffentlichen. Der Ernährungsrat Berlin beurteilt die darin enthaltene Skizzierung von Handlungsfeldern als grundsätzlich nützlich für das Vorankommen einer Ernährungswende in Berlin. Allerdings fehlt dem Vorschlag das klar erkennbare, übergeordnete Ziel ebenso wie die strategische Einordnung in einen entsprechend zielorientierten Umsetzungsplan.

Der Koalitionsvertrag sieht für die vorgesehene Entwicklung der Berliner Ernährungsstrategie ausdrücklich die „Zusammenarbeit“ mit dem Ernährungsrat Berlin vor. In dieser Rolle fordern wir: Einbettung des Aktionsplans in eine echte Strategie mit klarem Bekenntnis zur klimagerechten Ernährungswende bis 2030. Ebenfalls unbeantwortet bleibt in den gegenwärtigen Senatsplänen leider die soziale Dimension des Themas: Die große Frage nach der Zukunftsfähigkeit, danach also, wie und woher sich eine Stadt wie Berlin im Jahre 2030 mit guter Nahrung versorgen wird.

Allen Menschen Zugang zu gutem Essen zu ermöglichen, ist aus Sicht der Ernährungsrats zudem ein Ziel, das allein als bürokratisch organisierter Verwaltungsakt kaum zu erreichen sein wird. Dafür muss der Senat andere Wege gehen als bislang, auch im Diskurs mit der Zivilgesellschaft. Denn anders als der Koalitionsvertrag verspricht, fand diese bisher kaum ernsthaft Gehör und echte Mitsprachechancen.

Eine Strategie, die jetzt die entscheidenden Weichen stellen will für die Ernährungswende in und um Berlin, muss den Mut zu einer ambitionierten und konkreten Roadmap mit klarer ernährungspolitischer Zielstellung aufbringen. Ebenso wie für daran gekoppelte Meilensteine und Ressourcen (Personal, Budget). Nur das verdient dann wirklich die Bezeichnung Ernährungsstrategie. Die gegenwärtigen Pläne sehen zwar substanzielle Mittel für die Einrichtung der als zentral angesehenen „Kantine Zukunft Berlin“ vor, für weitere Maßnahmen in anderen Handlungsfeldern ist jedoch kaum Budget eingeplant (lediglich 0,2 Millionen Euro des bisher bekannten Gesamtbudgets von 1,4 Millionen Euro).

Der Ernährungsrat Berlin ist überzeugt: Die klimagerechte Ernährungswende kann nur gelingen, wenn vielfältiges Wissen und unterschiedliche Fähigkeiten in einen dynamischen Prozess einfließen und es gelingt, die Berliner Bevölkerung aktiv zu beteiligen. Dafür sind unterstützende Strukturen, die auf Ernährungsdemokratie zielen nötig, wie etwa ein Bürger*innenrat nach erprobtem Vorbild!

Der Ernährungsrat ist weiter gern bereit, seine Expertise in einen demokratisch und offen geführten Berliner ernährungspolitischen Dialog einzubringen. 

Weitere Infos unter:

Webseite Ernährungsrat Berlin: http://ernaehrungsrat-berlin.de/

Unser Forderungskatalog „Ernährungsdemokratie für Berlin! Wie das Ernährungssystem der Stadt demokratisch und zukunftsfähig relokalisiert werden kann“:  http://ernaehrungsrat-berlin.de/ernaehrungsdemokratie-fuer-berlin/

Nachfragen bei:

presse@ernaehrungsrat-berlin.de oder

Annette Jensen: 0170-2353115

Gundula Oertel: 0177-5701525

Christine Pohl: 0152-51655502

Ernährungscampus – Vollbremsung am Tempelhofer Flughafen

Im Koalitionsvertrag steht zum Flughafengebäude Tempelhof: „Das Nutzungskonzept wird partizipativ entwickelt und soll bereits parallel zu den notwendigen Sanierungsmaßnahmen Nutzungen und einen Gedenkort ermöglichen.“ Doch nun sollen die Bürger*innen offenbar erst einmal 5 bis 15 Jahre vor der Tür warten, bis sie sich wieder äußern dürfen.

Der Ernährungsrat plant zusammen mit thf.vision einen Ernährungscampus im Gebäudeteil K2 einzurichten – einen Experimentier-, Forschungs-.und Bildungsort, wo eine klimaneutrale, gerechte Ernährungsweise ausprobiert, erforscht und vorangetrieben wird und wo die Berliner Bevölkerung für das Thema begeistert werden soll. Von der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung (SenJVA) kam dafür sowohl finanzielle Unterstützung als auch eine Bedarfsbekundung gegenüber der zuständigen Senatsverwaltung. Doch nun hat die Tempelhof Projekt GmbH (TP), ein hunderprozentiges Tochterunternehmen des Landes, erst einmal alle Fortschrittsmöglichkeiten gestoppt. Sie begründet das mit einem weitaus größeren Sanierungsbedarf als bisher angenommen. Auch in einer Pressemitteilung des Senats ist nun nichts mehr von der angekündigten Partizipation die Rede. 

Noch im Mai 2018 hatte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher das Motto ausgegeben: Experimentieren! Öffnen! TP sollte alle Pläne des Gebäudes öffentlich zugänglich machen – was bis heute nicht geschehen ist.

thf.vision und der Berliner Ernährungsrat veranstalteten im Dezember 2018 einen Expert*innenworkshop zum Ernährungscampus. Im Vorfeld hatte eine TP-Mitarbeiterin erste experimentelle Nutzungsmöglichkeiten (Markt; Hochbeete) für Sommer 2019 in Aussicht gestellt. Am Workshoptag signalisierte eine andere TP-Mitarbeiterin dann aber, dass es keine experimentelle Nutzungen im Flughafengebäude mehr geben wird. Einzige Ausnahme: Das von der Senatskanzlei geförderte City Lab in H2rund. Das wird betrieben von der Technologiestiftung Berlin, hinter der Konzerne wie PwC, die Deutsche Bank, der Pharmakonzern Pfizer, Siemens u.a. stehen.

Im März 2019 erklärte TP: Vorausgesetzt der politische Wille sei da, könne der Trakt K2 in 2,5 bis 3 Jahren fertig saniert sein. Im Mai berichtet Geschäftsführerin Heim-Wenzler dann über das öffentlich unzugängliche Gutachten, das einen sehr schlechten Zustand und hohen Sanierungsbedarf des Gebäudes belege.

Der Berliner Ernährungsrat und thf.vision sind Praxispartner im internationalen  Forschungsprojekt FOODSHIFT 2030, das von der EU gefördert wird und im Januar 2020 startet. Gemeinsam haben wir bereits mehrere Workshops veranstaltet, um den Ernährungscampus vorzubereiten: Die Zivilgesellschaft sitzt in den Startlöchern – nun macht der Senat eine Vollbremsung. Das ist nicht nur superpeinlich gegenüber den internationalen Forschungspartnern. Es widerspricht auch dem Koalitionsvertrag. Wir fordern, dass der Ernährungscampus Priorität bekommt. Es darf nicht sein, dass die Tempelhof Projekt GmbH jetzt 5 bis 15 Jahre allein vor sich hinwerkelt und erst dann ein Partizipatiosverfahren über die Nutzung der sanierten Räume stattfindet. Das von TP vorgelegte Konzept 2030+ stellt eine nicht akzeptable Vorentscheidung dar, der Ernährungscampus taucht darin nicht einmal auf.

Der Ernährungsrat beim Klimatag

“Was ist dein Beitrag für klimagerechte Ernährung?” beantworteten uns Besucherinnen und Besucher des Klimatags Berlin (27. Oktober 2019) am Info-Stand des Ernährungsrates Berlin. Ihre Beiträge visualisierten sie auf grünen Moderationskarten. Wer noch Fragen hatte oder Themen rund um den Ernährungsrat Berlin besprechen wollte, unterhielt sich mit Aktiven des Berliner Ernährungsrates auf dem bereits zum 5. Mal veranstalteten Klimatag Berlin, der dieses Jahr in der Alten Kindl-Brauerei in Neukölln stattfand.

Was bedeutet für mich klimagerechte Ernährung?

*saisonal, vegan, auf jeden Fall weniger Fleisch! *produktive Nutzung von Grünflächen in Städten *Ernährungspolitisches Engagement *mehr Waldgärten *wenig Fleisch, aber dafür aus extensiver und ökologischer Haltung *Weiden sind CO2-Speicher! *Verwerten von Lebensmittelresten *Bildung von Kindern und Erwachsenen *Achten auf Herkunft und Verwertung von Lebensmitteln *Förderung von Humusaufbau in landwirtschaftlich genutzten Böden: CO2-Speicher! *weniger Fleisch! *keine Massentierhaltung *Vermeidung von Lebensmittelabfällen *mehr gesunde Cola für Reda anstelle von Wasser (das war wohl nicht so ernst gemeint) *lokale Lebensmittel kaufen und essen *Ernährungspolitik ist Klimapolitik

Was ist dein Beitrag für eine klimagerechte Ernährung?

Mittagstische mit Geflüchteten starten – Wir suchen noch Unterstützung!

Nächsten Montag (21. Oktober) startet unser erster Mittagstisch mit Geflüchteten und Anwohner*innen in der Kulturmarkthalle (https://www.kulturmarkthalle-berlin.de/). Essen verbindet über kulturelle Grenzen hinweg – daher wollen wir gemeinsam Schnippeln, Kochen, Speisen und ins Gespräch kommen. Es werden (soweit wie möglich) gerettete, regionale und biologische Lebensmittel auf den Tellern landen.

Zum Umsetzung suchen wir noch Unterstützer*innen: Wir bräuchten noch helfende Hände beim Schnippeln/Kochen, bei der Begleitung der Teilnehmer*innen und wo sich Bedarf vor Ort ergibt. Los geht es um 11 Uhr mit Schnippeln, ab 12.30 Uhr wird gekocht. Wer Interesse hat, melde sich bitte bei: kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de

Wenn Ihr kommenden Montag keine Zeit habt, hier die weiteren Termine: 30.10. (Gemeinschaftsunterkunft Falkenberg/Lichtenberg), 11.11. (Kulturmarkthalle), 20.11. (Falkenberg), 2.12. (Kulturmarkthalle) und 11.12. (Falkenberg).

Neue Podcast-Folge: Es betrifft uns alle!

Durch die im Frühjahr 2019 gestartete Podcast-Reihe „Wir sind schon mal los! Ernährungswende live“ stellt der Ernährungsrat seine Forderungen im Einzelnen vor durch das Porträtieren von Menschen, die bereits diese Forderungen durch ihre Arbeit umsetzen. Auf diese Weise lassen wir die Forderungen sozusagen auf dem Weg vom „Mund ins Ohr“ für Euch lebendig werden.

In der neuen Folge stellt sich der Berliner Ernährungsrat selbst vor: wer sind wir, was wollen wir erreichen und welchen Herausforderungen sehen wir uns gegenüber?

Hier kann man die Folge anhören

Hier gibt’s mehr Infos zur Folge über den Berliner Ernährungsrat und den Interviewpartner*innen

Vorschlag zur Nachberufung in den Sprecher*innenkreis

Wir schlagen vor, Sabine Werth in den Sprecher*innenkreis nachzuberufen. Dieser Vorschlag wird auf der Vollversammlung am 14. Oktober zur Abstimmung gestellt.

Sabine Werth

Die studierte Sozialarbeiterin gründete die Berliner Tafel und ist seither die ehrenamtliche Vorsitzende. Um täglich vor Ort sein zu können, hat sie ihren eigenen Betrieb, die Familienpflege Sabine Werth, ebenfalls auf den Großmarkt verlegt. Seit 15 beschäftigt sie sich verstärkt mit dem Thema Ernährung und Lebensmitteleinsatz. Fuhr sie anfangs noch selbst zu Supermärkten und Bäckern, ist sie seit Jahren vor allem das Gesicht der Tafel, begeisterte Botschafterin der guten Sache und unermüdliche Ideengeberin.

Infobrief September 2019: Von wegen Sommerloch!

Von wegen Sommerloch – bei uns war richtig viel los in den letzten Wochen! Wir haben mit mit regionalen Zutaten internationale Gerichte gekocht, mit Kantinenbetreibern Erzeuger*innen besucht, über Zugang zu gutem Essen für alle diskutiert und uns mit Senator Dirk Behrendt und Staatsekretärin Gottstein über die Ernährungsstrategie und regionale Schulverpflegung unterhalten. Außerdem: die nächsten Termine und Mitmachmöglichkeiten. Lest unten mehr!

Am 20. September ist globaler Klimastreik!

Landwirtschaft und Ernährung tragen massiv zum Klimawandel bei. Gleichzeitig wird die Landwirtschaft stark vom Klimawandel beeinflusst: Dürre, Überschwemmungen, Verlust von fruchtbaren Böden, Artensterben – so kann es nicht weitergehen!

Deshalb sind wir auf der Großdemonstration zum globalen Klimastreiktag am Freitag 20. September mit dabei. Fordert gemeinsam mit uns im Agrar- und Ernährungswendeblock eine Ernährungs- und Agrarpolitik, die der klimapolitischen und ökologischen Notlage gerecht wird!

Tragt grün und bringt eure Gießkannen und Schubkarren mit. Gemeinsam schlagen wir Alarm für eine klimagerechte Ernährungs- und Agrarpolitik! Treffpunkt: 12 Uhr am Brandenburger Tor (Tiergarten-Seite, hier die Koordinaten)

50 Plates of Regional: internationales Koch-Event mit regionalen Zutaten

Man kann mit regionalen und saisonalen Zutaten wunderbar international kochen! Am  31. August haben wir es gemeinsam mit Über den Tellerrand bei 50 Plates of Regional ausprobiert. Rund 40 Menschen aus Europa, Asien und Afrika kamen im Kitchen Hub zusammen, um aus regionalen Zutaten fünf verschiedene Gerichte zu zaubern. Angeleitet von fünf Köchen aus Syrien, Afghanistan, Japan und Deutschland wurde eifrig geschnippelt, gebrutzelt und geplaudert. Dabei haben wir auch gemeinsam diskutiert: Was ist mir beim Essen wichtig? Was wünsche ich mir? Was sind Probleme und Herausforderungen, denen wir täglich begegnen?

Wir hatten viel Spaß, viele wunderschöne Begegnungen mit tollen Menschen und richtig leckeres Essen. Das werden wir auf jeden Fall wiederholen! Wir haben aber auch mal wieder gemerkt, wie schwierig und zeitaufwändig es ist, regionale Zutaten zu organisieren. Warum das so ist und wie man das ändern kann, auch das sind natürlich unsere Themen.

Hier gibt es einen Bericht von der Veranstaltung mit vielen schönen Fotos.

Kantinen & Erzeuger*innen zusammenbringen: Regio-Exkursionen

Beim Auf- und Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten kann die Gemeinschaftsverpflegung ein wichtiges Zugpferd sein. Deshalb sind wir mit Kantinen-Betreiber*innen ins Umland von Berlin gefahren und haben sie mit Erzeuger*innen zusammengebracht. Am 13. August waren wir mit Vertreter*innen der drei großen kommunalen Unternehmen (Berliner Verkehrsbetriebe, Wasserbetriebe und Stadtreinigung) und des Studierendenwerks Berlin bei SpeiseGut in Spandau – ein ausführlicher Bericht findet sich hier.

Am 20. August folgte dann die zweite Exkursion zu Rixmanns Hof in Linum und dem nur wenige Kilometer entfernten Ökohof Kuhhorst. Diesmal waren neben Vertreter*innen der Verkehrsbetriebe (BVG) und des Studierendenwerks noch die Küchenchefs der Kantine im Roten Rathaus und der CANTINA an der Storkower Straße mit von der Partie. Einen Bericht gibt es hier.

in Ernährungshof im ehemaligen Flughafen Tempelhof

Am 21. August fand im Tempelhofer Flughafengebäude eine Ortsbesichtigung der fünf Küchen, Kantinenräume und Säle im Gebäudeteil K2 statt. Die etwa 1000 Quadratmeter große Etage steht seit etwa acht Jahren leer. Daneben befindet sich ein grüner Innenhof, der ebenerdig zugänglich ist. Der Ernährungsrat und die Initiative thf.vision wollen hier einen LebensMittelPunkt und einen Ernährungscampus aufbauen. Beim anschließenden Workshop verabredeten die gut 40 Anwesenden erste Schritte in Richtung Umsetzung. In Kleingruppen arbeiteten sie weiter am Nutzungskonzept und den dafür nötigen räumlichen Voraussetzungen, sammelten Ideen zur Öffentlichkeitsarbeit und diskutierten, wie transparente, effektive und demokratische Entscheidungsstrukturen aufzubauen sind. Dabei konnten sie auf die Ergebnisse einer Expert*innenkonferenz im vergangenen Dezember aufbauen.

Kurzum: Die Zivilgesellschaft sitzt in den Startlöchern. Was fehlt ist eine politische Entscheidung, was aus dem Gesamtgebäude werden soll. Die SPD will es ausschließlich für Verwaltungen nutzen und blockiert seit Monaten eine Debatte über Themen zum Tempelhofer Flughafen im Hauptausschuss.

Hier gibt es mehr Info zu unseren Ideen für den Tempelhofer Flughafen.

Treffen mit der Senatsverwaltung: gemeinsam für mehr regionale Bio-Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung

Am 22. August haben wir uns mit der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung getroffen, um über den Stand der Dinge bei Ernährungsstrategie und „House of Food“, die zukünftige Nutzung des Tempelhofer Flughafengebäudes für einen Ernährungshof und die Einkaufsrichtlinien für die Schulverpflegung zu sprechen.

Senator Dirk Behrendt und Staatssekretärin Margit Gottstein erklärten, dass die Verabschiedung eines Aktionsplans zu Ernährung „auf der Zielgeraden“ sei, es fehle aber noch die endgültige Zustimmung einiger Senatsverwaltungen, bevor ein Senatsbeschluss gefasst werden kann. Der Auftragnehmer für den Aufbau des Berliner „House of Food“ sei noch nicht rechtskräftig entschieden. 

Das von uns vorgestellte Konzept eines Ernährungshofs für das Tempelhofer Flughafengebäude wurde begrüßt und es wurde zugesichert, dass die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung für eine solche Nutzung bei der zuständigen Tempelhof Projekt GmbH offiziell Bedarf anmelden will.

Beim Thema Schulverpflegung sind wir uns einig, dass jetzt die einmalige Chance besteht, Bio-Regionalität in den Einkaufsrichtlinien der Schul-Caterer zu verankern. Dazu haben wir eine gemeinsame Pressemitteilung veröffentlicht.

Haushalt 2020/21: Ernährungsrat stellt Forderungen an die Berliner Fraktionen

Wir haben in einem Brief an alle Fraktionen (außer der AfD) Stellung zu den Haushaltsverhandlungen 2020/21 im Berliner Abgeordnetenhaus bezogen. Zum Einen fordern wir deutlich mehr Mittel für die Umsetzung der Ernährungsstrategie über das “House of Food” hinaus. Zum Anderen eine Regelfinanzierung für Organisationen, die sich für Ernährungsdemokratie einsetzen – wie der Ernährungsrat Berlin. Mit der bisherigen Praxis der reinen Projektförderung bleibt unsere wichtige basisdemokratische Arbeit häufig auf der Strecke. Den ganzen Brief könnt Ihr hier lesen.

Zugang zu Gutem Essen für alle!

Der Ernährungsrat Berlin entwickelt gerade in einem intensiven Prozess ein Grundsatzpapier „Gutes Essen für alle!“. Der Ernährungsrat setzt sich dafür ein, jedem Menschen Zugang zu „Gutem Essen“ – also einer nahrhaften, ökologisch und fair produzierten sowie kulturell angemessenen Grundversorgung – zu ermöglichen, ohne dass das hier oder anderswo Mensch und Umwelt schadet.  Das ist nicht einfach, wie auch aktuelle Diskurse in Berlin immer wieder verdeutlichen. Sicher gibt es nicht DIE eine Lösung, doch wir wollen uns trotzdem an eine gemeinsame Positionierung wagen, Fragen und ggf. auch Forderungen stellen. Denn unser Anspruch ist ein „zukunftsfähiges“ Ernährungssystem – und zukunftsfähig können unserer Ansicht nach nur Ernährungssysteme sein, die auch sozial und global gerecht sind.

Das Grundsatzpapier soll unter anderem die Grundlage für unsere Gespräche mit politischen Entscheidungsträger*innen sein, aber auch für den breiteren stadtpolitischen Diskurs. Um es zu entwickeln, gab es bereits eine Schreibwerkstatt sowie eine öffentliche Diskussionsrunde am 29. August. Es wird noch weitere Schreibwerkstätten und Möglichkeiten zum Kommentieren geben – bei Interesse am Prozess bitte melden unter kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de (Stichwort: Gutes Essen)

Mitmachen!

Der Ernährungsrat steht allen zum Mitmachen offen. Kommt zu unseren Treffen! Außerdem gibt es eine Austausch- und Vernetzungsliste (“Aktivenliste”), um Aktive und Engagierte des Ernährungsrats zu vernetzen und den Austausch untereinander zu erleichtern und Informationen über das Berlin-Brandenburger Ernährungssystem und urbane Ernährungspolitik miteinander zu teilen. Zum Eintragen schickt bitte eine Mail mit einer Kurzvorstellung an kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de (Stichwort: Aktivenliste), wir setzen Euch dann auf die Liste.

Wenn ihr bei konkreten Aktivitäten unterstützen könnt, meldet Euch gerne direkt bei uns. Zur Zeit können wir zum Beispiel Unterstützung in folgenden Bereichen brauchen:

  • Planung und Durchführung des Projekts „Alle an einen Tisch!“ – Mittagstische für Geflüchtete als Mittel der Integration im Kiez. Mit dem Projekt möchten wir Geflüchtete und Anwohner*innen zusammen an den Mittagstisch bringen und das gemeinsame Essen sowie den Austausch darüber als zwanglose Möglichkeit zum Kennenlernen und Mittel der Integration nutzen. Ihr habt Ideen dazu oder wollt mitorganisieren? Meldet euch unter kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de (Stichwort: Mittagstisch)
  • Open Source Infrastruktur: Wir würden gerne eigenen Cloud Speicher inklusive Dateiablage sowie Open Source Kontaktmanagement und Kommunikations-Tools wie zum Beispiel Rocket Chat für den Ernährungsrat nutzen – habt ihr Lust, uns bei der Einrichtung und dem Betrieb zu unterstützen? Meldet euch unter kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de (Stichwort: digitale Wolke)

Unabhängige politische Arbeit kostet Geld!

Der Ernährungsrat ist ein offenes Bündnis von Bürger*innen, bei dem alle ohne Mitgliedsbeitrag mitmachen können, und so soll es auch bleiben. Wir leben vom ehrenamtlichen Einsatz vieler! Aber das reicht allein leider nicht: Ohne etwas Geld für Veranstaltungen und andere Aktivitäten sowie eine hauptamtliche Koordination, die die vielen Fäden zusammenhält, würde uns allen bald die Puste ausgehen.

Wir sind kontinuierlich dabei, hier und da Projektanträge zu stellen. Oft wird bei Förderanträgen jedoch ein substanzieller Anteil an Eigenmitteln gefordert. Und viele unserer regelmäßigen Aktivitäten lassen sich von vornherein gar nicht als „Projekt“ formulieren und sind daher nicht förderfähig: unsere Lobbyarbeit, unsere Projekt- und Strategiewerkstätten und nicht zuletzt auch unsere Vollversammlungen. Um trotzdem arbeiten zu können, sind wir auf eure Mithilfe angewiesen: Bitte überlegt, wie viel eure Brieftaschen und Kontostände an “monetären Lebensmitteln” für den Ernährungsrat hergeben! Per Überweisung an das Konto: Ernährungsrat Berlin e.V., DE35 4306 0967 1225 3232 00, GENODEM1GLS (Verwendungszweck: „Lebensmittel“). Da wir als gemeinnützig anerkannt sind, dürfen wir auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Wer eine solche benötigt, schreibt uns dies mit Adressangabe und unter dem gleichen Stichwort bitte an kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de.  



Globaler Klimastreik: 20. September


Am 20. September ist globaler Klimastreik!

Kommt mit uns in den Agrar- und Ernährungsblock und schlagt Alarm für eine klimagerechte Ernährungspolitik!

Treffpunkt:  Wir treffen uns ab 11:00 am Brandenburger Tor (Tiergarten-Seite), genaue Koordinaten hier. Um 12:00 zum Beginn der Auftaktkundgebung gehen wir gemeinsam los, um uns in den Agrar- und Ernährungswende-Block auf der Nordseite der Straße des 17. Juni einzureihen.

Bringt mit: Tragt Grün und bringt entweder Gießkannen oder Schubkarren mit.

50 Plates of Regional: internationales Koch-Event mit regionalen Zutaten

Man kann mit regionalen und saisonalen Zutaten wunderbar international kochen! Am Samstag haben wir es gemeinsam mit Über den Tellerrand bei 50 Plates of Regional ausprobiert – dabei hatten wir viel Spaß, viele wunderschöne Begegnungen mit tollen Menschen und richtig leckeres Essen. Das werden wir auf jeden Fall wiederholen!

Rund 40 Menschen aus Europa, Asien und Afrika kamen im Kitchen Hub von Über den Tellerrand zusammen, um aus regionalen Zutaten fünf verschiedene Gerichte zu zaubern. Angeleitet von fünf Köchen aus Syrien, Afghanistan, Japan und Deutschland wurde eifrig geschnippelt, gebrutzelt und geplaudert.

Dabei haben wir auch gemeinsam diskutiert: Was ist mir beim Essen wichtig? Was wünsche ich mir? Was sind Probleme und Herausforderungen, denen wir täglich begegnen? Viele Antworten haben wir von vielen verschiedenen Menschen bekommen: Es muss schmecken. Es muss satt machen. Es muss gesund sein. Es muss schön aussehen. Es muss günstig sein. Es muss glücklich machen. Beim Essen muss man sich Zeit nehmen. Es muss ökologisch nachhaltig sein.

Wir haben auch mal wieder gemerkt, wie schwierig und zeitaufwändig es ist, regionale Zutaten zu organisieren. Im Vorfeld haben wir viel leckeres Gemüse von der Spandauer SoLaWi Speisegut und der veganen Farm Plantage bei Schwedt organisiert und mit Fahrrad, Anhänger und zu Fuß zum Kitchen Hub transportiert. Als aber am Tag selbst noch ein paar Dinge fehlten, mussten wir wieder einmal feststellen, dass der lokale Bioladen nur holländische Tomaten und plastikverpackten Rucola im Angebot hat, obwohl beides frisch und regional verfügbar ist! Warum das so ist und wie man das ändern kann, auch das sind natürlich unsere Themen.

Natürlich ging es dabei nicht nur um trockene Theorie, sondern vor allem um knackig, bunte, saisonale, regionale Praxis, die an langer Tafel gemeinsam gelehrt und genossen wurde. Mit leckerem Ofengemüse, japanischem Curry, rohen Zucchini-Spaghetti, Kürbis-Zucchini-Talern und Pastinaken-Möhren-Ragout. Mmmmh lecker!

Danke an alle Köche und alle die mitgekocht und gegessen haben!