Sprecher*innen 2020-2022

Der Sprecher*innenkreis wird alle zwei Jahre von der Vollversammlung des Ernährungsrat gewählt. Die nächste Wahl sollte am 28. Oktober 2020 stattfinden, muss aber leider aufgrund von Corona verschoben werden. Aber wir schmieden Pläne für eine Übergangsperiode, die wir gemeinsam mit den alten Sprecherinnen und den Kandidatinnen für die Neuwahlen gestalten wollen, bis wir uns wieder live treffen und wählen können – Kandidatures sind daher weiter möglich. Alle, die für gutes, gerecht geteiltes Essen in Berlin aktiv werden wollen, können kandidieren: hier gibt es mehr Info

Aktuelle Kandidat*innen

Sabine Werth

Seit der Gründung des Ernährungsrats Berlin ist die Berliner Tafel im Sprecher*innenkreis vertreten, erst durch Timo Schmitt, seit letztem November durch mich. Mein Name ist Sabine Werth. Ich bin Vorsitzende der Berliner Tafel e.V., die ich als erste Tafel in Deutschland im Februar 1993 gegründet habe. Seit über 27 Jahren beschäftigen mich Themen wie Überproduktion und Überangebote von Lebensmitteln. Was geht in unserer Gesellschaft und letztlich weltweit schief, dass es ein derartiges Überangebot und ein mindestens ebenso großen Mangel  an Lebensmitteln gibt. Wie tragen politische Entscheidungen zu Mangel-, Fehl- und/ oder Überernährung bei, welcher Maßnahmen bedarf es, hier nachhaltig Veränderungen herbeizuführen. Was können wir in Kleinen, wie im Großen tun, damit sich Verhältnisse ändern. Was braucht es, damit gute Ernährung überall selbstverständlich wird. Gern würde ich weiter im Sprecher*innenkreis aktiv sein.


Stefanie Wagner-Boysen

Als betriebliche Gesundheitsmanagerin arbeitete ich für einen großen Konzern, der ca 4.000 Mitarbeitende umfasst. Die Themen Mensch, Umwelt, Gesundheit und damit vor allem die Ernährung brachten mein Herz schon immer in Wallung. Zahlreiche Ideen für eine Selbständigkeit mit Bezug zu Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, Zugang zu gutem Essen für alle und Förderung der ökologischen Landwirtschaft gingen mir schon durch den Kopf – letztendlich setzte ich noch keine um. Warum? Der Mut fehlte mir. Die Geburt meines Sohnes veränderte das alles. Die notwendige Transformation unserer Gesellschaft wurde mir nun noch wichtiger. 
Das bislang erreichte des Ernährungsrates in Berlin gilt es weiter auszubauen. Netzwerke zu vergrößern, die Durchdringung in die Politik zu beschleunigen und weitere Ideen zur Umsetzung zu begleiten und zu unterstützen. In meinem Kiez – Mahlsdorf – gibt es seit einem Jahr den Marktschwärmer. Eine großartige Organisation! Mein Ziel ist es die umliegenden Landwirte zu unseren Haupternährern zu machen und durch eine Art Solidarprinzip Menschen jeden Einkommens das gute Essen aus unserer Region zugänglich zu machen. Ebenfalls mache ich mich dafür stark, dass “essbare Schulen” kultiviert werden und sich dieses Konzept zu einem neuen Standard entwickeln kann. Auch möchte ich einen LebensMittelPunkt in Marzahn – Hellersdorf gründen und bin gerade dabei einige Mitstreitende zusammen zu bringen. Es wäre mir eine große Ehre als Sprecherin für den Ernährungsrat zu wirken. 


Henrike Rieken

Seit der Gründung bin ich als Sprecherin beim Ernährungsrat Berlin dabei. In den Jahren haben wir schon viel erreicht, wenngleich viele (große) Schritte hin zu einer klimarechten Ernährung in Berlin noch vor uns liegen. Wichtige Projekte für die kommende Wahlperiode sind aus meiner Sicht die Aktionskonferenz, die Stärkung und Entwicklung der Lebensmittelpunkte, die Kooperation mit den Brandenburger Ernährungsräten sowie der Austausch mit dem Netzwerk der Ernährungsräte im deutschsprachigen Raum.
Ich lebe und arbeite seit fast 20 Jahren in Berlin und Brandenburg. An der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde koordiniere ich ein Netzwerk von Praxispartner*innen aus der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft, mache mit viel Freude Lehre und beteilige mich ab und zu an angewandten Forschungsprojekten.
Mich interessieren die Menschen und Prozesse, die Veränderung befördern und Neues rund um die Agrarwende entstehen lassen. Ernährungsrats-Arbeit ist Bewegungsarbeit und neben dem Politischen auch die Zusammenführung von Leuten verschiedenster Blasen und Vorstellungen, um kritische, schmerzhafte und motivierende Debatten um klimagerechtes Essen zu führen. Ergänzend braucht es etwas Handfestes. Wenn es uns gelingt, einen konkreten Fahrplan für die Transformation eines klimagerechten Agrar- und Ernährungssystems für Berlin herunter zu brechen – stets mit Blick auf die Zusammenhänge nach Brandenburg, Europa und der Welt – sind wir ein gutes Stück weiter gekommen. Dafür möchte ich mich weiter einsetzen und kandidiere als Sprecherin.


Stefanie Köhne

Ich bin Mitglied der Anwohnergruppe „Kiezmarkthalle“ zur Markthalle Neun Berlin Kreuzberg. Hier setzen wir uns unter anderem für den Erhalt des Aldis oder eines vergleichbaren Lebensmittelgroßhändlers in der Markthalle Neun ein, da hier in der Markthalle Neun nur der Aldi alleine eine umfassende Lebensmittel-Vollversorgung, bezahlbar für alle, zu guten Öffnungszeiten für die Anwohner der Markthalle Neun sicherstellt. Wir haben zur Markthalle Neun 5290 Unterschriften gesammelt, mit den Forderungen, dass der Aldi oder ein vergleichbarer Lebensmittel-Großhändler in der Markthalle Neun bleiben soll, dass hier ein echter Lebensmittel-Markt in dieser Halle entstehen soll und mehr. Mehr dazu hier: https://kiezmarkthalle.noblogs.org  und https://kiezmarkthalle.noblogs.org/presse/.
Wir kritisieren auch, dass die Markthalle Neun zwar „Gutes Essen für alle“ in ihrer Halle propagiert, jedoch meist teure Produkte in ihrer Halle anbietet, die sich hauptsächlich nur Leute mit gutem Einkommen leisten können, dass hier oft viele Stände leer stehen und dass sie sehr schlechte Öffnungszeiten hat. Die Markthalle Neun kommt ihrem Versorgungsauftrag für die Anwohner der Markthalle Neun nicht nach – und genau das macht die Existenz des Aldis in dieser Halle so wichtig. Es geht bei mir also darum, der Frage nachzugehen, wie kann man eine Ernährungswende verfolgen unter Einbeziehung von Lebensmittel-Discountern und -supermärkten, wie kann man dabei tatsächlich – alle – Menschen beteiligen und wie kann man ein gerechtes und faires Ernährungssystem verfolgen, das im Gegensatz zum elitären und exkludierenden Ernährungssystem wie z.B. in der Markthalle Neun Berlin Kreuzberg steht.


Michael Polster

Jahrgang 1952, Studium der Philosophie und Promotion für Wirtschaftswissenschaften an der Humboldt Universität, lebe in Berlin, freischaffender Journalist und Autor für verschiedene Gastrofachzeitschriften des B&L Verlages, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks für Schulverpflegung (DNSV) e.V., Ehrenpräsident des Institute of Culinary Art (I.C.A.) und Beiratsmitglied des Europa-Projektes Miniköche. Aktive Mitarbeit im Bereich Kinderernährung, Kita- & Schulverpflegung. Meine Zielstellung für die Ernährungswende 2030: Netzwerken um der Politik auf allen Ebenen Druck zu machen. Gesunde Ernährung ist eine der wichtigsten politischen Querschnittsaufgaben in unserer heutigen Gesellschaft. Eine flächendeckende und beitragsfreie Versorgung erreicht alle Kinder gleichermaßen und trägt dazu bei, dass sie gesund aufwachsen und ihre Bildungschancen nutzen können. Beitragsfreies Kita- und Schulessen sollte heute eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Die skandinavische Länder, praktizieren es schon seit Jahren – Finnland seit 1944 – dort erhalten alle Kinder und Jugendliche ein kostenfreies Essen mit hohen Qualitätsstandards und aus regionalen Produkten, verbunden mit einer umfassenden Ernährungsbildung. Die Zubereitung der Mahlzeiten dabei durch eigene kommunale Küchen. Frisch kochen vor Ort und freie Auswahl am Buffet gehört zur täglichen Schulessenpraxis. Klar ist, dass die jetzt auch bei uns möglich ist. Der Bund muss nun endlich ein Investitionsprogramm zur finanziellen Unterstützung der Kommunen für den Aus- und Neubau von Küchen und Mensen auflegen. Fachliche Qualifizierung und tarifliche Bezahlung des Personals gehören genauso dazu wie die Senkung der Mehrwertsteuer.


Laura Gary

After eight years in management and logistics fields, I resigned from my salaried activity two years ago in order to become a full-time dancer and choreographer, and put movement, health as the core of my life, I have practiced intensively dance since the age of 4. I have oriented my artistic process on reading, researching and learning around psychology, nutrition, somatic, spirituality and feminism. I have been involved or member in non-profit and cooperative associations such as La Louve in France and SuperCoop very recently in Berlin. I am the artistic directress of my fresh dance company named Piel Ensemble. Nutrition is, as a dancer and artist, a major topic, because the closer to our bodies we are, the more exigent, technical and expert we need to be to keep our health and working tool efficient. Artists are of major importance in such councils, because of their precariousness combined with their essentiality, and I would love to represent them. Here is my personal site (under construction).


Annette Jensen

Mein Name ist Annette Jensen, ich bin seit zwei Jahren im SprecherInnenkreis – und möchte sehr gerne weitermachen! Seit fast 30 Jahren schreibe ich als Journalistin über Wirtschaft, Umwelt und die notwendige Transformation. Weil Informationen die Welt nicht verändern, habe ich vor dreieinhalb Jahren die Bürger*inneninitiative thf.vision mitgegründet und bin seit zwei Jahren im Ernährungsrat. Ich engagiere mich dafür, dass im Tempelhofer Flughafen ein Praxis-, Forschungs- und Bildungsort für eine gute Zukunft entsteht mit einem Ernährungscampus. Außerdem versuchen wir im Rahmen des EU-Projekts Foodshift2030 LebensMittelPunkte in ganz Berlin voranzutreiben. Die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, ob wir als Menschheit noch die Kurve kriegen. Ich möchte mithelfen, die Vision „Berlin ernährt sich im Jahr 2030 klimagerecht“ zu konkretisieren. Eine andere Welt ist möglich – sie kann lecker, schön, naturverträglich und gerechter sein, davon bin ich überzeugt und dafür möchte ich mich einsetzen. Deshalb kandidiere ich erneut für den Sprecher*innenkreis und hoffe auf ein starkes Team und viele Mitstreiter*innen.