Pressemitteilung: „Ernährungsdemokratie jetzt!“: Bundesweites Netzwerk von Ernährungsräten gegründet

Erster Kongress der Ernährungsräte will urbane Ernährungspolitik auf die kommunale Agenda bringen
Pressemitteilung vom 12.11.2017

Essen: Unter dem Motto „Ernährungsdemokratie jetzt!“ wurde heute ein Netzwerk von mehr als 40 Ernährungsräten und Ernährungsrats-Initiativen aus dem deutschsprachigen Raum gegründet. Auf dem ersten Kongress der Ernährungsräte trafen sich am Wochenende in Essen Engagierte aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol. Ihr Ziel: Sie wollen demokratische Ernährungssysteme in den Kommunen aufbauen. Ernährungsräte sind meist aus der Zivilgesellschaft gegründete, beratende Gremien der Städte. Sie stellen den Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Landwirten, Händlern, Verbrauchern und Gastronomen her, um die Lebensmittelversorgung in den Städten zukunftsfähig und gerecht zu gestalten. Die ersten Ernährungsräte in Deutschland wurden 2016 in Berlin und Köln gegründet. Dieses Jahr kamen Frankfurt am Main, das Saarland, Dresden und Oldenburg dazu. Auch in Oberösterreich, Zürich und Südtirol gibt es Ernährungsräte, viele weitere stehen in Gründung.

Valentin Thurn, Gründer des Ernährungsrates in Köln und Filmemacher: „Über unsere Ernährung bestimmen heute vor allem große Lebensmittelkonzerne, die auf den Weltmarkt ausgerichtet sind. Doch immer mehr Menschen wollen mitentscheiden, wo ihr Essen herkommt und wie es produziert wurde. Die Ernährungsräte sind dafür ein perfektes Forum, das Konzept breitet sich in Deutschland rasend schnell aus. Mit dem neu gegründeten Netzwerk wollen wir diese Bewegung weiter stärken.“ Kommunen und Länder sollten das hohe Engagement der meist ehrenamtlichen Initiativen unterstützen. Die Ernährungswende von unten sei eine riesige Chance für Städte, sich klimafreundlicher und gesünder zu versorgen. „Essen kann eine Brücke zwischen sozialen und ethnischen Gruppen sein. Nicht zuletzt können wir so das Thema Nachhaltigkeit mit Spaß verbinden“, sagte Thurn.

Ziel der Ernährungsräte ist es, die Lebensmittelversorgung in den Städten transparent zu machen, lokale Erzeuger zu stärken und Lebensmittel aus dem Umland direkt in die Städte zu bringen. Kleinbäuerliche Betriebe sollen tragfähige Einkommensperspektiven erhalten und faire, vielfältigere Marktstrukturen aufgebaut werden. Zudem müssen nachhaltig erzeugte Lebensmittel für einkommensschwache Haushalte zugänglicher werden. Die Idee der Ernährungsräte stammt aus Nordamerika, wo sich die ersten „Food Policy Councils“ vor 30 Jahren gründeten und inzwischen weit verbreitet sind. Auf dem Essener Kongress tauschten sich Ernährungsrats-Experten aus den USA, Kanada, Brasilien und Großbritannien mit der jungen Gründerszene im deutschsprachigem Raum darüber aus, wie Ernährungsräte erfolgreich gegründet werden und arbeiten können.

Christine Pohl vom Ernährungsrat Berlin: „Urbane Ernährung wird bisher als politisches Handlungsfeld weitgehend vernachlässigt. Aber wir brauchen Ernährungspolitik in den Städten, denn hier müssen die Veränderungen beginnen. Ernährungsräte sind die lokale Antwort auf viele Probleme, die durch unser derzeit globalisiertes Ernährungssystem verursacht wurden. Die Frage: ‚Wie ernährt sich meine Stadt?’ ist so einfach wie wichtig. Jetzt kommen endlich die unterschiedlichsten Menschen zusammen, um gemeinsam die Bestimmungsmacht über ihre Teller zurückzugewinnen.“

Fotos der Konferenz schicken wir Ihnen gerne auf Anfrage zu.

Kontakt: christine.pohl@ernaehrungsrat-berlin.de, 0152-51655502

Mehr Informationen zu Ernährungsräten auch unter:
www.ernaehrungsraete.de

Essen ohne Amazon

Der Onlinehandelsriese Amazon streckt seine Finger nach unseren Kühlschränken aus –  mit seinem Lebensmittel-Lieferdienst Amazon fresh. Damit steigt ein Konzern in den Handel mit frischen Lebensmitteln ein, der unberechenbar und für sein aggressives Marktverhalten bekannt ist.  Datensammelwut, massive Verletzung von Arbeitnehmer*innenrechten, Steuervermeidung in Millionenhöhe und der Ruin vieler kleiner Buchläden verheißen nichts Gutes für die Landwirtschaft und Lebensmittelbranche. Was wir für die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft brauchen, sind faire Preise und die Unabhängigkeit der Landwirt*innen von Konzernen. Dahin führen kurze regionale Lieferketten und eine Auswahl an Möglichkeiten der Vermarktung – online und offline.

Deswegen unterstützen wir die Kampagne „Essen ohne Amazon! “ von Aktion Agrar!

Hier Appell unterzeichnen

Und hier gibt es mehr Hintergrundinfo

Der Senat lädt zur Kick-off-Veranstaltung für die Entwicklung einer Berliner Ernährungsstrategie

Die Senatsverwaltung lädt am Freitag, 20. Oktober 2017 (10:00 bis 17:00 Uhr) in der Neue Mälzerei (Friedenstraße 91) zur Auftaktveranstaltung für eine neue Ernährungsstrategie.

Ein Ziel der Veranstaltung ist, das Kopenhagener Modell kennezulernen und dessen Umsetzbarkeit und Übertragbarkeit für Berlin zu diskutieren. In Kopenhagen wird die Versorgung in städtischen Einrichtungen zu 90% regional und mit Bio-Lebensmittelns gestaltet – davon kann Berlin sicher einiges lernen!

Auch vom Ernährungsrat Berlin werden wir vor Ort sein und unsere frisch in der Vollversammlung verabschiedeten Forderungen an die Politik vorstellen. Dabei geht es uns natürlich nicht nur um die öffentliche Verpflegung, sondern auch um die Stärkung regionaler Wertschöpfungskreisläufe, vielfältige Versorgungsstrukturen, Lebensmittelverschwendung, Bildung für zukunftsfähige Ernährung, die essbare Stadt Berlin und vieles mehr!

Mehr Info zu der Veranstaltung auf der Webseite des Senats

Anmeldungen über ernaehrungsstrategie@ariadne-an-der-spree.de

 

Vollversammlung 12. Oktober

Am 12. Oktober 17-20 Uhr findet unsere nächste Vollversammlung statt. Der wichtigste Tagesordnungspunkt ist die Verabschiedung unseres Forderungskatalogs an die Politik – des zentralen Dokuments, mit dem wir in den nächsten Monaten mit der Politik in die Diskussion um eine Berliner Ernährungsstrategie einsteigen wollen. Daneben wollen wir gemeinsam überlegen, welche Prioritäten wir für die kommenden Monate setzen und welche Formate der Zusammenarbeit wir dazu wählen wollen. Dazu gehört auch eine Auswertung der bisherigen Arbeit der „Feldarbeitsgruppen“ und ggf. eine Anpassung der Formate. Außerdem gab es in den letzten Monaten ein paar Veränderungen im Sprecher*innenkreis, die wir Euch erläutern möchten und die dann gemäß unserer Satzung von der Vollversammlung bestätigt werden müssen. Wir freuen uns über Anmeldung unter kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de.

Ort: Wir treffen uns um 17:00 in Tagungssaal der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin.

In Kooperation mit:

Jetzt anmelden: Erster Kongress zur Vernetzung der Ernährungsräte

Ernährungsdemokratie jetzt! Erster Kongress zur Vernetzung von Ernährungsräten

10.-12. November 2017 in Essen

Seit in Köln und Berlin im Frühjahr 2016 die ersten beiden Ernährungsräte im deutschsprachigen Raum gegründet wurden, ist viel in Bewegung gekommen – in vielen Städten und Regionen sind Gründungen in Planung, zum Teil stehen sie kurz bevor! Während Ernährungsräte hier noch etwas Neues sind, blicken sie (z.B. als Food Policy Councils) in anderen Teilen der Welt teils auf mehrere Jahrzehnte erfolgreiche Arbeit zurück. Die Ernährungsräte in Köln und Berlin wollen die hiesige, noch junge Bewegung zusammenbringen und vernetzen und gemeinsam von erfahrenen Gründer*innen aus Europa, Nord- und Südamerika lernen. Dazu laden wir für ein Wochenende nach Essen, in die diesjährige Grüne Hauptstadt Europas, ein.

Weiterlesen hier

 

Kongress: Ernährungsdemokratie jetzt!

10. –12. November 2017, Alte Lohnhalle, 45309 Essen.

Die bestehenden Ernährungssysteme sind kein Naturgesetz – wir können sie ändern! In lokalen Ernährungsräten oder ähnlichen Initiativen können wir mitbestimmen, wie unser Essen produziert, verteilt und verwertet wird, und wir können auch die Ernährungspolitik aktiv beeinflussen.

Die ersten beiden Ernährungsräte im deutschsprachigen Raum sind 2016 in Berlin und Köln entstanden. In vielen weiteren Städten und Regionen im deutschsprachigen Raum gibt es Pläne für ähnliche Initiativen. Wir wollen uns gegenseitig inspirieren und voneinander lernen.

Als Auftakt für ein dauerhaft tragfähiges Lern- und Aktionsnetzwerk soll das Wochenende uns dabei unterstützen, selbständig Ernährungsräte zu gründen und weiter zu entwickeln. Lasst uns jetzt gemeinsam beginnen mit dem nötigen Wandel – denn Ernährungsdemokratie geht uns alle an!

Vorläufige Kurzfassung des Programms:

  • Freitag Abend: Pioniergeist – von anderen Ernährungsräten lernen (mit internationalen Referent*innen).
  • Samstag Vormittag: Los geht’s – Kennenlernen der verschiedenen Ernährungsinitiativen im deutschsprachigen Raum und Infomarkt
  • Samstag Nachmittag: Do It Yourself – Welche Erfahrungen bringen uns weiter, welche Hürden müssen überwunden werden, was motiviert und inspiriert uns
  • Samstag Abend: Party – Ernährungsouveränität feiern!
  • Sonntag Vormittag: Lessons Learned – Was haben wir gelernt, welche Ressourcen haben wir, welche weiteren brauchen wir?
  • Sonntag Nachmittag: Zukunftspläne schmieden – wie machen wir gemeinsam weiter?

Das komplette Programm findet Ihr demnächst hier, wer sich jetzt schon anmelden oder bei der Vorbereitung mitarbeiten möchte, schreibt bitte an anmeldung@tasteofheimat.de