Infobrief September 2019: Von wegen Sommerloch!

Von wegen Sommerloch – bei uns war richtig viel los in den letzten Wochen! Wir haben mit mit regionalen Zutaten internationale Gerichte gekocht, mit Kantinenbetreibern Erzeuger*innen besucht, über Zugang zu gutem Essen für alle diskutiert und uns mit Senator Dirk Behrendt und Staatsekretärin Gottstein über die Ernährungsstrategie und regionale Schulverpflegung unterhalten. Außerdem: die nächsten Termine und Mitmachmöglichkeiten. Lest unten mehr!

Am 20. September ist globaler Klimastreik!

Landwirtschaft und Ernährung tragen massiv zum Klimawandel bei. Gleichzeitig wird die Landwirtschaft stark vom Klimawandel beeinflusst: Dürre, Überschwemmungen, Verlust von fruchtbaren Böden, Artensterben – so kann es nicht weitergehen!

Deshalb sind wir auf der Großdemonstration zum globalen Klimastreiktag am Freitag 20. September mit dabei. Fordert gemeinsam mit uns im Agrar- und Ernährungswendeblock eine Ernährungs- und Agrarpolitik, die der klimapolitischen und ökologischen Notlage gerecht wird!

Tragt grün und bringt eure Gießkannen und Schubkarren mit. Gemeinsam schlagen wir Alarm für eine klimagerechte Ernährungs- und Agrarpolitik! Treffpunkt: 12 Uhr am Brandenburger Tor (Tiergarten-Seite, hier die Koordinaten)

50 Plates of Regional: internationales Koch-Event mit regionalen Zutaten

Man kann mit regionalen und saisonalen Zutaten wunderbar international kochen! Am  31. August haben wir es gemeinsam mit Über den Tellerrand bei 50 Plates of Regional ausprobiert. Rund 40 Menschen aus Europa, Asien und Afrika kamen im Kitchen Hub zusammen, um aus regionalen Zutaten fünf verschiedene Gerichte zu zaubern. Angeleitet von fünf Köchen aus Syrien, Afghanistan, Japan und Deutschland wurde eifrig geschnippelt, gebrutzelt und geplaudert. Dabei haben wir auch gemeinsam diskutiert: Was ist mir beim Essen wichtig? Was wünsche ich mir? Was sind Probleme und Herausforderungen, denen wir täglich begegnen?

Wir hatten viel Spaß, viele wunderschöne Begegnungen mit tollen Menschen und richtig leckeres Essen. Das werden wir auf jeden Fall wiederholen! Wir haben aber auch mal wieder gemerkt, wie schwierig und zeitaufwändig es ist, regionale Zutaten zu organisieren. Warum das so ist und wie man das ändern kann, auch das sind natürlich unsere Themen.

Hier gibt es einen Bericht von der Veranstaltung mit vielen schönen Fotos.

Kantinen & Erzeuger*innen zusammenbringen: Regio-Exkursionen

Beim Auf- und Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten kann die Gemeinschaftsverpflegung ein wichtiges Zugpferd sein. Deshalb sind wir mit Kantinen-Betreiber*innen ins Umland von Berlin gefahren und haben sie mit Erzeuger*innen zusammengebracht. Am 13. August waren wir mit Vertreter*innen der drei großen kommunalen Unternehmen (Berliner Verkehrsbetriebe, Wasserbetriebe und Stadtreinigung) und des Studierendenwerks Berlin bei SpeiseGut in Spandau – ein ausführlicher Bericht findet sich hier.

Am 20. August folgte dann die zweite Exkursion zu Rixmanns Hof in Linum und dem nur wenige Kilometer entfernten Ökohof Kuhhorst. Diesmal waren neben Vertreter*innen der Verkehrsbetriebe (BVG) und des Studierendenwerks noch die Küchenchefs der Kantine im Roten Rathaus und der CANTINA an der Storkower Straße mit von der Partie. Einen Bericht gibt es hier.

in Ernährungshof im ehemaligen Flughafen Tempelhof

Am 21. August fand im Tempelhofer Flughafengebäude eine Ortsbesichtigung der fünf Küchen, Kantinenräume und Säle im Gebäudeteil K2 statt. Die etwa 1000 Quadratmeter große Etage steht seit etwa acht Jahren leer. Daneben befindet sich ein grüner Innenhof, der ebenerdig zugänglich ist. Der Ernährungsrat und die Initiative thf.vision wollen hier einen LebensMittelPunkt und einen Ernährungscampus aufbauen. Beim anschließenden Workshop verabredeten die gut 40 Anwesenden erste Schritte in Richtung Umsetzung. In Kleingruppen arbeiteten sie weiter am Nutzungskonzept und den dafür nötigen räumlichen Voraussetzungen, sammelten Ideen zur Öffentlichkeitsarbeit und diskutierten, wie transparente, effektive und demokratische Entscheidungsstrukturen aufzubauen sind. Dabei konnten sie auf die Ergebnisse einer Expert*innenkonferenz im vergangenen Dezember aufbauen.

Kurzum: Die Zivilgesellschaft sitzt in den Startlöchern. Was fehlt ist eine politische Entscheidung, was aus dem Gesamtgebäude werden soll. Die SPD will es ausschließlich für Verwaltungen nutzen und blockiert seit Monaten eine Debatte über Themen zum Tempelhofer Flughafen im Hauptausschuss.

Hier gibt es mehr Info zu unseren Ideen für den Tempelhofer Flughafen.

Treffen mit der Senatsverwaltung: gemeinsam für mehr regionale Bio-Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung

Am 22. August haben wir uns mit der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung getroffen, um über den Stand der Dinge bei Ernährungsstrategie und „House of Food“, die zukünftige Nutzung des Tempelhofer Flughafengebäudes für einen Ernährungshof und die Einkaufsrichtlinien für die Schulverpflegung zu sprechen.

Senator Dirk Behrendt und Staatssekretärin Margit Gottstein erklärten, dass die Verabschiedung eines Aktionsplans zu Ernährung „auf der Zielgeraden“ sei, es fehle aber noch die endgültige Zustimmung einiger Senatsverwaltungen, bevor ein Senatsbeschluss gefasst werden kann. Der Auftragnehmer für den Aufbau des Berliner „House of Food“ sei noch nicht rechtskräftig entschieden. 

Das von uns vorgestellte Konzept eines Ernährungshofs für das Tempelhofer Flughafengebäude wurde begrüßt und es wurde zugesichert, dass die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung für eine solche Nutzung bei der zuständigen Tempelhof Projekt GmbH offiziell Bedarf anmelden will.

Beim Thema Schulverpflegung sind wir uns einig, dass jetzt die einmalige Chance besteht, Bio-Regionalität in den Einkaufsrichtlinien der Schul-Caterer zu verankern. Dazu haben wir eine gemeinsame Pressemitteilung veröffentlicht.

Haushalt 2020/21: Ernährungsrat stellt Forderungen an die Berliner Fraktionen

Wir haben in einem Brief an alle Fraktionen (außer der AfD) Stellung zu den Haushaltsverhandlungen 2020/21 im Berliner Abgeordnetenhaus bezogen. Zum Einen fordern wir deutlich mehr Mittel für die Umsetzung der Ernährungsstrategie über das “House of Food” hinaus. Zum Anderen eine Regelfinanzierung für Organisationen, die sich für Ernährungsdemokratie einsetzen – wie der Ernährungsrat Berlin. Mit der bisherigen Praxis der reinen Projektförderung bleibt unsere wichtige basisdemokratische Arbeit häufig auf der Strecke. Den ganzen Brief könnt Ihr hier lesen.

Zugang zu Gutem Essen für alle!

Der Ernährungsrat Berlin entwickelt gerade in einem intensiven Prozess ein Grundsatzpapier „Gutes Essen für alle!“. Der Ernährungsrat setzt sich dafür ein, jedem Menschen Zugang zu „Gutem Essen“ – also einer nahrhaften, ökologisch und fair produzierten sowie kulturell angemessenen Grundversorgung – zu ermöglichen, ohne dass das hier oder anderswo Mensch und Umwelt schadet.  Das ist nicht einfach, wie auch aktuelle Diskurse in Berlin immer wieder verdeutlichen. Sicher gibt es nicht DIE eine Lösung, doch wir wollen uns trotzdem an eine gemeinsame Positionierung wagen, Fragen und ggf. auch Forderungen stellen. Denn unser Anspruch ist ein „zukunftsfähiges“ Ernährungssystem – und zukunftsfähig können unserer Ansicht nach nur Ernährungssysteme sein, die auch sozial und global gerecht sind.

Das Grundsatzpapier soll unter anderem die Grundlage für unsere Gespräche mit politischen Entscheidungsträger*innen sein, aber auch für den breiteren stadtpolitischen Diskurs. Um es zu entwickeln, gab es bereits eine Schreibwerkstatt sowie eine öffentliche Diskussionsrunde am 29. August. Es wird noch weitere Schreibwerkstätten und Möglichkeiten zum Kommentieren geben – bei Interesse am Prozess bitte melden unter kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de (Stichwort: Gutes Essen)

Mitmachen!

Der Ernährungsrat steht allen zum Mitmachen offen. Kommt zu unseren Treffen! Außerdem gibt es eine Austausch- und Vernetzungsliste (“Aktivenliste”), um Aktive und Engagierte des Ernährungsrats zu vernetzen und den Austausch untereinander zu erleichtern und Informationen über das Berlin-Brandenburger Ernährungssystem und urbane Ernährungspolitik miteinander zu teilen. Zum Eintragen schickt bitte eine Mail mit einer Kurzvorstellung an kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de (Stichwort: Aktivenliste), wir setzen Euch dann auf die Liste.

Wenn ihr bei konkreten Aktivitäten unterstützen könnt, meldet Euch gerne direkt bei uns. Zur Zeit können wir zum Beispiel Unterstützung in folgenden Bereichen brauchen:

  • Planung und Durchführung des Projekts „Alle an einen Tisch!“ – Mittagstische für Geflüchtete als Mittel der Integration im Kiez. Mit dem Projekt möchten wir Geflüchtete und Anwohner*innen zusammen an den Mittagstisch bringen und das gemeinsame Essen sowie den Austausch darüber als zwanglose Möglichkeit zum Kennenlernen und Mittel der Integration nutzen. Ihr habt Ideen dazu oder wollt mitorganisieren? Meldet euch unter kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de (Stichwort: Mittagstisch)
  • Open Source Infrastruktur: Wir würden gerne eigenen Cloud Speicher inklusive Dateiablage sowie Open Source Kontaktmanagement und Kommunikations-Tools wie zum Beispiel Rocket Chat für den Ernährungsrat nutzen – habt ihr Lust, uns bei der Einrichtung und dem Betrieb zu unterstützen? Meldet euch unter kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de (Stichwort: digitale Wolke)

Unabhängige politische Arbeit kostet Geld!

Der Ernährungsrat ist ein offenes Bündnis von Bürger*innen, bei dem alle ohne Mitgliedsbeitrag mitmachen können, und so soll es auch bleiben. Wir leben vom ehrenamtlichen Einsatz vieler! Aber das reicht allein leider nicht: Ohne etwas Geld für Veranstaltungen und andere Aktivitäten sowie eine hauptamtliche Koordination, die die vielen Fäden zusammenhält, würde uns allen bald die Puste ausgehen.

Wir sind kontinuierlich dabei, hier und da Projektanträge zu stellen. Oft wird bei Förderanträgen jedoch ein substanzieller Anteil an Eigenmitteln gefordert. Und viele unserer regelmäßigen Aktivitäten lassen sich von vornherein gar nicht als „Projekt“ formulieren und sind daher nicht förderfähig: unsere Lobbyarbeit, unsere Projekt- und Strategiewerkstätten und nicht zuletzt auch unsere Vollversammlungen. Um trotzdem arbeiten zu können, sind wir auf eure Mithilfe angewiesen: Bitte überlegt, wie viel eure Brieftaschen und Kontostände an “monetären Lebensmitteln” für den Ernährungsrat hergeben! Per Überweisung an das Konto: Ernährungsrat Berlin e.V., DE35 4306 0967 1225 3232 00, GENODEM1GLS (Verwendungszweck: „Lebensmittel“). Da wir als gemeinnützig anerkannt sind, dürfen wir auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Wer eine solche benötigt, schreibt uns dies mit Adressangabe und unter dem gleichen Stichwort bitte an kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de.  



Globaler Klimastreik: 20. September


Am 20. September ist globaler Klimastreik!

Kommt mit uns in den Agrar- und Ernährungsblock und schlagt Alarm für eine klimagerechte Ernährungspolitik!

Treffpunkt:  Wir treffen uns ab 11:00 am Brandenburger Tor (Tiergarten-Seite), genaue Koordinaten hier. Um 12:00 zum Beginn der Auftaktkundgebung gehen wir gemeinsam los, um uns in den Agrar- und Ernährungswende-Block auf der Nordseite der Straße des 17. Juni einzureihen.

Bringt mit: Tragt Grün und bringt entweder Gießkannen oder Schubkarren mit.

50 Plates of Regional: internationales Koch-Event mit regionalen Zutaten

Man kann mit regionalen und saisonalen Zutaten wunderbar international kochen! Am Samstag haben wir es gemeinsam mit Über den Tellerrand bei 50 Plates of Regional ausprobiert – dabei hatten wir viel Spaß, viele wunderschöne Begegnungen mit tollen Menschen und richtig leckeres Essen. Das werden wir auf jeden Fall wiederholen!

Rund 40 Menschen aus Europa, Asien und Afrika kamen im Kitchen Hub von Über den Tellerrand zusammen, um aus regionalen Zutaten fünf verschiedene Gerichte zu zaubern. Angeleitet von fünf Köchen aus Syrien, Afghanistan, Japan und Deutschland wurde eifrig geschnippelt, gebrutzelt und geplaudert.

Dabei haben wir auch gemeinsam diskutiert: Was ist mir beim Essen wichtig? Was wünsche ich mir? Was sind Probleme und Herausforderungen, denen wir täglich begegnen? Viele Antworten haben wir von vielen verschiedenen Menschen bekommen: Es muss schmecken. Es muss satt machen. Es muss gesund sein. Es muss schön aussehen. Es muss günstig sein. Es muss glücklich machen. Beim Essen muss man sich Zeit nehmen. Es muss ökologisch nachhaltig sein.

Wir haben auch mal wieder gemerkt, wie schwierig und zeitaufwändig es ist, regionale Zutaten zu organisieren. Im Vorfeld haben wir viel leckeres Gemüse von der Spandauer SoLaWi Speisegut und der veganen Farm Plantage bei Schwedt organisiert und mit Fahrrad, Anhänger und zu Fuß zum Kitchen Hub transportiert. Als aber am Tag selbst noch ein paar Dinge fehlten, mussten wir wieder einmal feststellen, dass der lokale Bioladen nur holländische Tomaten und plastikverpackten Rucola im Angebot hat, obwohl beides frisch und regional verfügbar ist! Warum das so ist und wie man das ändern kann, auch das sind natürlich unsere Themen.

Natürlich ging es dabei nicht nur um trockene Theorie, sondern vor allem um knackig, bunte, saisonale, regionale Praxis, die an langer Tafel gemeinsam gelehrt und genossen wurde. Mit leckerem Ofengemüse, japanischem Curry, rohen Zucchini-Spaghetti, Kürbis-Zucchini-Talern und Pastinaken-Möhren-Ragout. Mmmmh lecker!

Danke an alle Köche und alle die mitgekocht und gegessen haben!

Treffen mit der Senatsverwaltung: gemeinsam für mehr regionale Bio-Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung

Wir hatten heute ein Gespräch mit der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung darüber, wie in Berlin eine klimafreundliche und sozial gerechte Ernährung für alle ermöglicht werden kann. Einig sind wir uns darüber, dass die Schulverpflegung hierbei eine zentrale Rolle spielt. Wir haben jetzt die einmalige Chance, Bio-Regionalität in den Einkaufsrichtlinien der Schul-Caterer zu verankern!

Hier die gemeinsame Pressemitteilung dazu:

Ernährungsrat und Senatsverwaltung für mehr regionale Bio-Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung

Der Ernährungsrat und die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung haben sich heute zu Gesprächen darüber getroffen, wie in Berlin eine klimafreundliche und sozial gerechte Ernährung für alle ermöglicht werden kann. Beide sind sich darüber einig, dass die Schulverpflegung hierbei eine zentrale Rolle spielt.

Hierzu erklärt Frank Nadler vom Berliner Ernährungsrat:

„Damit sich Berlin zukünftig klimafreundlich und ökologisch ernähren kann, sind die Einkaufsrichtlinien der Schul-Caterer der entscheidende Hebel. Jetzt besteht die einmalige Chance, neue Kriterien für das Schulessen festzulegen. Diese sollten sowohl den Berliner Schülerinnen und Schülern, als auch den regionalen Biolandwirten in Brandenburg zu Gute kommen.“

Bis Oktober werden Kriterien für die Musterausschreibung von Schulessen festgelegt. Das hat wesentliche Auswirkungen darauf, welche Produkte die Caterer für das Schulessen in den kommenden Jahren verwenden. Es ist auch maßgeblich dafür, ob 50 Prozent Bio-Anteil erreicht werden kann.

Hierzu erklärt der Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Dr. Dirk Behrendt:

„Über die Musterausschreibung haben wir jetzt die Möglichkeit, regionale Bioprodukte für das Schulessen rechtssicher festzulegen.“

Regio-Exkursion gehen in die zweite Runde: Rixmanns Hof und Kuhhorster

Am 20. August waren wir zum zweiten Mal mit Kantinenbetreiber*innen aus Berlin in Brandenburg unterwegs (siehe hier den Bericht von der ersten Exkursion). Diesmal waren neben Vertretern der Verkehrsbetriebe (BVG) und des Studierendenwerks noch die Küchenchefs der Kantine im Roten Rathaus (Betreiber: Union Sozialer Einrichtungen, USE gGmbH) und der CANTINA an der Storkower Straße (Betreiber: Kiezküchen GmbH) mit von der Partie.

Als Erstes empfingen uns Georg Rixmann und Sabine Schwalm auf ihrem Familienbetrieb, dem Rixmanns Hof in Linum. Der Betrieb ist nicht bio-zertifiziert, wirtschaftet jedoch gänzlich ohne Pestizide und legt großen Wert auf Sortenvielfalt. Vor allem Kürbisse kann der Hof bei rechtzeitiger Vorbestellung in großen Mengen liefern – und dabei noch Sorten anbieten, die sonst nicht so häufig auf dem Teller landen. In den Genuss einer kleinen Kostprobe durften wir bereits bei unserem Besuch kommen.

Den zweiten Stopp legten wir nur wenige Kilometer entfernt auf dem Ökohof Kuhhorst ein, ein deutlich größerer Betrieb, demeter-zertifiziert und zugleich Werkstätte für Menschen mit Behinderung. Allein für Letztere bietet der Hof 80 Beschäftigten einen Arbeitsplatz. Für die Gemeinschaftsverpflegung könnten die Kuhhorster diverse Kulturen anbieten, darunter verschiedene Gemüse. Ihre Spezialisierung ist indes der Kartoffelanbau und da der Hof zudem über eine eigene Schälanlage verfügt, wäre hier das Argument des mangelnden Verarbeitungsgrads hinfällig.

Einige der Exkursionsteilnehmer zeigten sich interessiert, mit beiden Höfen eine Kooperation aufzubauen, Kontakte wurden ausgetauscht und erste potentielle Kulturen ausgelotet. Da sowohl USE gGmbH als auch Kiezküchen GmbH – im Gegensatz zu kommunalen Unternehmen wie BWB, BVG und BSR – nicht an öffentliche Vergaberichtlinien gebunden sind, können diese etwas flexibler agieren.

Dennoch kamen auch diesmal ähnliche Hürden, wie sie bei der ersten Exkursion diskutiert wurden, zur Sprache. Die Frage, wie der direkte Bezug von kleinen bis mittleren Erzeuger*innen, durch den keine Margen an Zwischenhändler verloren gehen, für beide Seiten effizient und handhabbar gestaltet werden kann, bleibt eine Herausforderung. Ein weiterer Aspekt ist eine Ernährungsbildung von klein auf, um die Wertschätzung für Lebensmittel wieder zu steigern. Selbst potenziell zahlungskräftige Kantinenbesucher*innen (wie im Roten Rathaus) wären nicht bereit, mehr Geld für gute Produkte auszugeben.

Für dieses Jahr war es die letzte Exkursion, die der Ernährungsrat Berlin ausrichtet. Wir sind jedoch überzeugt, dass es sich lohnt weitere Kantinen und Bäuer*innen zusammen zu bringen, damit sich etwas ändert. Wir werden daher Pläne schmieden um die Exkursionen nächstes Jahr fortzusetzen – und warum auch nicht mal andersherum, also die Erzeuger mit in die Küchen nehmen?

Kantinen und Erzeuger*innen zusammenbringen – Erste Regio-Exkursion zum SpeiseGut

Beim Auf- und Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten kann die Gemeinschaftsverpflegung ein wichtiges Zugpferd sein. Angelehnt an das Vorbild Kopenhagen wollen wir daher Kantinen-Betreiber*innen und Erzeuger*innen aus dem Umland zusammenbringen. Am Dienstag (13. August) fand die erste „Regio-Exkursion“ zum SpeiseGut statt. Mit dabei waren Vertreter*innen der drei großen kommunalen Unternehmen (Berliner Verkehrsbetriebe, Wasserbetriebe und Stadtreinigung) und des Studierendenwerks Berlin. Bei einer Führung über die Flächen der „Alten Gärtnerei“ schilderte SpeiseGut-Leiter Christian Heymann die Prinzipien der Solidarischen Landwirtschaft, nach denen der Betrieb größtenteils wirtschaftet, und berichtete von den Herausforderungen, denen kleine bis mittlere Landwirtschaftsbetriebe begegnen. Anschließend entstand bei einem frisch gepflückten Salat eine lebhafte Diskussion über die Faktoren, die eine verstärkte Integration von (bio)-regionalen Produkten in die Speisepläne von Berliner Großküchen bislang bremsen. Von Seiten der Kantinen wurden v.a. Vergaberichtlinien genannt, aber auch die Preisfrage, Mengenanforderungen und der Abbau des Küchenpersonals. Kleinere Betriebe könnten durchaus bei einigen Kulturen die erforderlichen Mengen zu einem angemessenen Preis liefern, argumentiert hingegen Christian Heymann – wenn man ihnen auf der anderen Seite die Abnahme über einen gewissen Zeitraum garantiert. Ein großer Knackpunkt liege in der Verarbeitung und Logistik.

Nächste Woche findet die zweite Exkursion statt, dann geht es nach Linum zum Rixmanns Hof und Ökohof Kuhhorst. Wir sind bereits gespannt auf weitere Diskussionen – und werden als Ernährungsrat an diesem komplexen Thema dran bleiben, damit wir endlich einen Schritt weiter kommen auf dem Weg zu einer bio-regionalen Versorgung.

Koch-Event: 50 Plates of Regional. 31. August

Kann man mit regionalen und saisonalen Produkten international kochen? Das möchten wir gemeinsam mit Euch und mit Über den Tellerrand ausprobieren. Kommt vorbei und kocht mit uns Gerichte aus aller Welt mit Zutaten aus der Region. Lernt Euch kennen, kocht zusammen, tauscht euch aus, erzählt uns was Euch beim Essen wichtig ist und genießt einen schönen Nachmittag mit leckerem Essen!

WANN: Samstag, den 31. August 16-19 Uhr

WO: im Kitchen Hub von Über den Tellerrand (Roßbachstraße 6)

Schickt für die Anmeldung bitte eine Email an champions@ueberdentellerrand.org

Workshop: Ein Ernährungshof im ehemaligen Flughafen Tempelhof? 21. August

Im Tempelhofer Flughafengebäude gibt es einen Gebäudetrakt mit fünf Küchen, mehreren Kantinenräumen und Sälen, die Zugang zu einem grünen Innenhof haben. Die Initiative thf.vision und der Berliner Ernährungsrat setzen sich dafür ein, hier einen Ernährungshof und einen LebensMittelPunkt einzurichten. Am 21. August findet dazu ein Workshop statt. Nach einem Überblick sollen in Arbeitsgruppen erste Schritte in Richtung Umsetzung stattfinden.

Mehr Info

Haushalt 2020/21: Ernährungsrat stellt Forderungen an die Berliner Fraktionen

Derzeit wird im Berliner Abgeordnetenhaus über den Doppelhaushalt 2020/21 verhandelt. Wir haben in einem Brief an alle Fraktionen (außer der AfD) dazu Bestellung bezogen. Zum Einen fordern wir deutlich mehr Mittel für die Umsetzung der Ernährungsstrategie über das “House of Food” hinaus. Zum Anderen eine Regelfinanzierung für Organisationen die sich für Ernährungsdemokratie einsetzen – wie der Ernährungsrat Berlin. Mit der bisherigen Praxis der reinen Projektförderung bleibt unsere wichtige basisdemokratische Arbeit häufig auf der Strecke. Den ganzen Brief könnt Ihr hier lesen.

Ernährungsrat-Stammtisch: 23. Juli

Foto: Vagabund Brauerei

Sind Euch auf den Vollversammlungen die Pausen auch immer zu kurz? Wollt ihr Euch einfach mal ohne Tagesordnung und Moderation unterhalten? Dazu gibt es jetzt die Gelegenheit bei unserem Stammtisch: Dazu gibt es jetzt die Gelegenheit bei unserem Stammtisch: immer am 4. Dienstag im Monat ab 18:00 in der Vagabund-Brauerei in der Antwerpener Str. 3. Die nächsten Termine sind also der 23. Juli, der 27. August und der 24. September.