Infobrief Februar 2019

Das Jahr 2019 hat ernährungspolitisch schon so einiges mit sich gebracht! Hier sind unsere Neuigkeiten:

Ernährungsstrategie – wo bleibt die Ernährungsdemokratie?

Die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung hatte für den 20. Februar eingeladen, um über „den fortlaufenden Prozess der Entwicklung der Berliner Ernährungsstrategie“ zu informieren und erste Ergebnisse vorzustellen. Anlässlich der Veranstaltung haben wir zwei Tage zuvor einen Offenen Brief an Senator Behrendt und Staatssekretärin Gottstein geschickt. Darin fordern wir größere Transparenz im Prozess als bisher und die umfassende Partizipation der Berliner*innen. Ebenso wie die langfristig finanzierte und strukturell besser durchdachte Implementierung eines Beratungszentrums für die zukunftsfähige Umstellung der kommunalen Gemeinschaftsverpflegung, das bisher als „House of Food“ oder „Haus des guten Essens“ in den Senatsplänen genannt wird. Außerdem schlagen wir die Gründung einer strategischen Steuerungsgruppe vor, die den Prozess der Ernährungswende systematisch auf allen Ebenen – nicht nur im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung – vorantreibt und der deshalb auch der Ernährungsrat angehören soll.

Auf der Veranstaltung der Ernährungsstrategie wurden zwar einige Projekte insbesondere im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung vorgestellt und mittlerweile kann man auch die im Beteiligungsprozess 2018 entstandenen Empfehlungen für die Ernährungsstrategie auf der Webseite des Senats finden. Ernstzunehmende Beteiligungschancen für die Öffentlichkeit, die den Maßnahmenkatalog nicht nur vorstellen, sondern die Debatte eröffnen und seine Weiterentwicklung in einen wahrhaft „ernährungsdemokratischen“ öffentlichen Diskurs überführen könnten, fehlen aber auch hier.

Noch lässt der Prozess der Ernährungsstrategieentwicklung also Wünsche offen – denn ein Ziel wie Ernährungsdemokratie lässt sich nach unserer Auffassung nur durch einen durchgehend transparent und partizipativ angelegten Prozess erreichen. Darüber werden wir nicht nur mit der Senatsverwaltung im Gespräch bleiben, sondern auch mit anderen Parteien und den Medien in Berlin und in Brandenburg! Eine Antwort des Senators auf unseren offenen Brief, die ihrerseits ein Beitrag zu mehr Transparenz, Öffentlichkeitsbeteiligung und Ernährungsdemokratie sein sollte, hat uns bisher noch nicht erreicht – aber wir bleiben dran.

Wir fangen dann schon mal an das Berliner Ernährungssystem umzukrempeln – macht ihr mit?

Ein Kleinbus bringt Kantinenbetreiber zu Brandenburger Biobetrieben, wo sie einen Eindruck von der Arbeitsrealität auf den Höfen bekommen und Kontakte zu Erzeugern knüpfen. Bei einer Podiumsdiskussion erörtern Bäuerinnen, Händler und Wissenschaftlerinnen mit der Öffentlichkeit die Herausforderungen von regionalen Wertschöpfungssystemen. In einem interkulturellen Workshop werden migrantische Perspektiven auf das Berliner Ernährungssystem aufgespürt.  

So oder ähnlich sehen Aktivitäten aus, die der Ernährungsrat in den nächsten Monaten plant. Wollt ihr mitmachen? Dann kommt kurzentschlossen noch heute Abend (Montag 4. März 18-20 Uhr) ins IÖW-Lab (Potsdamer Str. 105, im zweiten Tordurchgang) zu unserer Projekt- und Kampagnenwerkstatt dazu. Zu spontan, aber ihr seid interessiert? Dann sagt uns trotzdem Bescheid (kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de) oder schaut auf unsere Webseite, denn solche Treffen wollen wir demnächst öfter veranstalten!

Wenn ihr lieber strategisch denken und die politische Positionierung des Ernährungsrats im weiteren Entwicklungsprozess der Ernährungsstrategie vorantreiben wollt, dann kommt zu unseren Strategiewerkstätten. Die nächste ist für Mitte April geplant, der genaue Termin wird bald auf unserer Webseite bekanntgegeben.

Ebenfalls um die Ernährungsstrategie und unsere Projekte und sonstigen Aktivitäten wird es natürlich auf der Frühjahrs-Vollversammlung des Ernährungsrats gehen. Diese findet am 8. Mai von 17:30-20:30 in der Alten Zollgarage des Tempelhofer Flughafengebäudes statt – merkt euch den Termin schon mal vor! Genauere Infos zur Agenda finden sich dann demnächst hier.

Kostenloses, gutes Essen für alle Kita- und Schulkinder!

Bis zur Klasse 6 soll Schulessen in Berlin bald kostenlos sein – das finden wir richtig. Schon in unserem Forderungskatalog vom Oktober 2017 erläutern wir, dass kostenloses, qualitätvolles Essen für alle Kinder in Berliner Kitas und Schulen eine Voraussetzung ist, um allen Kindern den Genuss guten Essens zu ermöglichen. Die Krux an der Sache ist jedoch: In den jüngsten Beschlüssen spielt Qualität keine Rolle. Dass das Essen an Kitas und Schulen zukünftig also nachhaltig und fair produziert, ausgewogen und obendrein lecker und appetitlich angerichtet ist, muss leider stark bezweifelt werden. Das ruft laut nach Nachbesserung! Ein erster Ansatz dazu kann z.B. die Petition der Christlichen Initiative Romero für Faires Schulessen in Berlin sein.

Ernährungspolitik ist nicht nur Regionalthema

Das wissen wir natürlich alle! Deswegen haben wir gemeinsam mit 35.000 engagierten Menschen am 19. Januar bei der Wir haben es satt-Demo eine faire Agrarreform und eine klimagerechte Landwirtschaft gefordert. Mit dabei: die Ernährungsräte aus Berlin, Köln, Bonn, Frankfurt am Main, Oldenburg, München, Hamburg und Hannover. Hier gibt’s noch ein paar Eindrücke von der gesamten Demo und die inspirierende Rede unserer Sprecherin Lea Kliem bei der Auftaktkundgebung!

Wir haben uns außerdem dem Positionspapier „Agrarökologie stärken. Für eine grundlegende Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme“ angeschlossen und fordern gemeinsam mit 55 weiteren zivilgesellschaftliche Organisationen die Bundesregierung auf, Agrarökologie zum zentralen Förderkonzept zur Armutsbekämpfung und zur Anpassung an die Klimakrise zu machen und sie als Grundlage für eine Reform der EU-Agrarpolitik zu nutzen.

Der Weg zu einer gemeinsamen EU Ernährungspolitik

Dass eine politische Ernährungswende dringend nötig ist, sehen natürlich nicht nur wir. In Brüssel wurde jetzt ein aktueller Bericht veröffentlicht, der als Gegenentwurf zur gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) eine grundlegende Reform hin zu einer gemeinsamen Ernährungspolitik vorschlägt: „Towards a Common Food Policy for the European Union: The Policy Reform and Realignment that ist required to buld sustainable Food Systems in Europe

Denn bislang gibt die Europäische Agrarpolitik keine Antworten auf die Frage, wie die großen Herausforderungen des Klima-, Umwelt- und Tierschutzes oder des weit verbreiteten Höfesterbens. Dabei wären die politischen Einflussmöglichkeiten enorm, denn rund 40 Prozent des EU-Haushaltes gehen in die Agrarsubventionen.

Vorgelegt wurde der Bericht von IPES-Food, einem Experten-Panel, das sich unter der Leitung von Olivier de Schutter (UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, 2008-1014) für nachhaltige Ernährungssysteme einsetzt. In einem dreijährigen Prozess haben sie unter Einbezug von Experten und Akteuren aus ganz Europa in verschiedenen Workshops und Konferenzen den Entwurf für eine gemeinsame Europäische Ernährungspolitik entworfen. Auf dem Blog Speiseräume fasst Philipp Stierand die wesentlichen Thesen des Berichts zusammen. Auch Ernährungsräte werden in dem Bericht als zentraler Akteur für eine zukunftsfähige Ernährungspolitik genannt. Und es wird eine systematische institutionelle Förderung für diese neuen zivilgesellschaftlichen Initiativen aus EU-Töpfen gefordert!

Mediterranen Esskulturen in die Töpfe geschaut

Bei den ganzen politischen Aktivitäten haben wir das Kulinarische nicht vergessen! Auf der Internationalen Grünen Woche haben wir gemeinsam mit der türkischen Umweltorganisation Yeşil Çember (Türkisch für „Grüner Kreis“) eine türkische Kochshow veranstaltet. Damit wollten wir deutlich machen, dass der Ernährungsrat Berlin für ein vielfältiges und sozial gerechtes Ernährungssystem eintritt, das allen Bürger*innen Zugang zu gutem und kulturell angepasstem Essen ermöglicht – unabhängig von Einkommen, kulturellem Hintergrund, Bildung, Geschlecht oder Herkunft. In Berlin leben etwa 200.000 türkischstämmige Bürger*innen: ihre Mitsprache darf bei der Entwicklung eines zukunftsfähigen Ernährungssystems nicht fehlen. Mehr Info zu der Kochshow, Fotos und Rezepte finden sich hier.

Danke für die Unterstützung!

Im Dezember haben wir Euch alle darum gebeten, uns aus der Finanzpatsche zu helfen. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die diesem Aufruf spontan nachgekommen sind! Durch Eure Unterstützung und eine Projektmittelzusage haben wir jetzt erstmal genug Mittel, um unsere Geschäftsstelle weiterbetreiben zu können – allerdings nur bis August 2019. Wir wollen und müssen unsere Finanzierung auf stabilere Füße stellen, um nicht alle paar Monate wieder um unsere Existenz fürchten zu müssen. Deshalb freuen wir uns auch weiterhin über Spenden an den Ernährungsrat Berlin e.V., Konto: DE35 4306 0967 1225 3232 00, GENODEM1GLS (Verwendungszweck: „Überlebensmittel“). Da wir als gemeinnützig anerkannt sind, dürfen wir auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Wer (bei Beträgen über 100 €) eine solche benötigt, schreibt uns dies mit Adresseangabe und unter dem gleichen Stichwort bitte an kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de.

Der Weg zu einer gemeinsamen EU Ernährungspolitik

Bislang bietet die gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) keine ausreichenden Lösungen auf die großen Herausforderungen des Klima-, Umwelt- und Tierschutzes oder des weit verbreiteten Höfesterbens. Dabei wären die politischen Einflussmöglichkeiten enorm, denn rund 40 Prozent des EU-Haushaltes gehen in die Agrarsubventionen. Jetzt wurde ein neuer Bericht veröffentlicht, der als Gegenentwurf eine grundlegende Reform hin zu einer gemeinsamen Ernährungspolitik vorschlägt: „Towards a Common Food Policy for the European Union: The Policy Reform and Realignment that ist required to buld sustainable Food Systems in Europe“.

Vorgelegt wurde dieser von IPES-Food, einem Experten-Panel, das sich unter der Leitung von Olivier de Schutter (UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, 2008-1014) für nachhaltige Ernährungssysteme einsetzt. In einem dreijährigen Prozess haben sie unter Einbezug von Experten und Akteuren aus ganz Europa in verschiedenen Workshops und Konferenzen den Entwurf für eine gemeinsame Europäische Ernährungspolitik entworfen. Auf dem Blog Speiseräume fasst Philipp Stierand die wesentlichen Thesen des Berichts zusammen. Auch Ernährungsräte werden in dem Bericht als zentraler Akteur für eine zukunftsfähige Ernährungspolitik genannt.


Offener Brief an Senator Behrendt und Staatssekretärin Gottstein

Anlässlich der Veranstaltung zum aktuellen Stand der Berliner Ernährungsstrategie, ausgerichtet durch die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, an diesem Mittwoch (20. Februar), hat der Sprecher*innenkreis des Berliner Ernährungsrats einen Offenen Brief verfasst. Er richtet sich an Senator Behrendt und Staatssekretärin Gottstein und meldet in einigen Punkten Gesprächsbedarf an, u.a. zu Bürgerbeteiligung, Transparenz, der Ausgestaltung des „Haus des guten Essens“ und einem ganzheitlichen Ansatz.

Hintergrundinformationen zum Kopenhagener Madhus, auf das im Offenen Brief verwiesen wird, sind hier zu finden.

Ernährungsstrategie: Update durch die Senatsverwaltung

Die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung lädt am 20. Februar 2019 von 11-17 Uhr in die Neue Mälzerei (Friedenstraße 91, 10249 Berlin) ein, um über den fortlaufenden Prozess der Entwicklung der Berliner Ernährungsstrategie zu informieren.

Das Programm der Veranstaltung findet sich hier

Anmeldungen sind noch bis Montag 18. Februar an ernaehrungsstrategie@ariadne-an-der-spree.de möglich.

Berliner Ernährungsrat spricht mit Bundestagsabgeordneten

Bei einem parlamentarischen Frühstück kam der zivilgesellschaftliche Schattenbericht zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele auf den Tisch

Der Berliner Ernährungsrat konnte am 30. Januar die Arbeit von Ernährungsräten im deutschsprachigen Raum bei einem parlamentarischen Frühstück im Bundestag vorstellen. Eingeladen hatten Forum Umwelt & Entwicklung, VENRO und Bettina Hoffmann, umweltpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen. Anwesend waren Abgeordnete und Mitarbeiter*innen aller Fraktionen (außer der AfD), die meisten aus dem Umfeld des parlamentarischen Beirats für Nachhaltige Entwicklung.

Den thematischen Überbau bildete der zivilgesellschaftliche Schattenbericht zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) in Deutschland, der 2018 veröffentlicht worden ist. Darin hatten auch Vertreter*innen des Berliner Ernährungsrats einen Beitrag veröffentlicht. Daran anknüpfend wurde umrissen, wie Ernährungsräte „vor der eigenen Haustür“ anfangen, die Ernährungswende voranzutreiben. Auch das Bündnis Bürgerenergie stellte seine Aktivitäten vor. Die Abgeordneten würdigten die Arbeit beider Initiativen als wichtige Beiträge, vom Reden ins Handeln zu kommen.

Mediterranen Esskulturen in die Töpfe geschaut

Yeşil Çember und Ernährungsrat Berlin veranstalteten auf der Grünen Woche gemeinsam eine türkische Kochshow

Sonntag, 20. Januar 2019. Auf der Internationalen Grünen Woche schiebt sich ein Strom von Besucher*innen durch die Messehallen. In der Berlin Halle bereiten sich Seval Maya und Gönül Tiftik derweil auf ein ganz besonderes mediterranes Kochevent vor. Die beiden Frauen der türkischen Umweltorganisation Yeşil Çember (Türkisch für „Grüner Kreis“) haben den ganzen Samstag mit Vorbereitungen verbracht, um heute drei für ihre Esskultur typische Speisen zu präsentieren.

Seval Maya und Gönül Tiftik

Frisch zubereitet wird heute Melemen, ein sehr populäres Frühstücksgericht, das v.a. aus Eiern, frischem Gemüse (Paprika, Tomaten) und Olivenöl besteht. Serviert wird es traditionell in einem Kupfertopf. Als zweites Gericht haben Seval und Gönül typische Hausmannskost vorbereitet, die selten im Restaurant auf den Tisch kommt: Zeytinyağlılar. Diese kühl servierte Kombination aus Lauch, Möhre, Reis und Zitrone schmeckt äußerst erfrischend. Den krönenden Abschluss bildet Aşure, eine süße Suppe, die am Vortag über mehrere Stunden im Topf köchelte. Hinein kommen Bohnen, Kichererbsen, Hartweizen, zahlreiche Nusssorten und Trockenobst. Abschließend wird das Dessert mit Zimt und Granatapfel dekoriert. Beim Publikum fanden alle Gerichte begeisterten Anklang. Daher haben wir hier weiter unten die Rezepte zur Verfügung gestellt.

Warum bietet der Ernährungsrat Berlin eine türkische Kochshow an?

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Niklas Schäfer den Berliner Ernährungsrat vor. Neben der öffentlichen Erklärung unserer grundlegenden Positionen sollte dieses Kochevent einen Aspekt besonders hervorheben: Der Ernährungsrat Berlin tritt für ein vielfältiges und sozial gerechtes Ernährungssystem ein, das allen Bürger*innen Zugang zu gutem und kulturell angepasstem Essen ermöglicht – unabhängig von Einkommen, kulturellem Hintergrund, Bildung, Geschlecht oder Herkunft. In Berlin leben etwa 200.000 türkischstämmige Bürger*innen – deren Mitsprache bei der Entwicklung eines zukunftsfähigen Ernährungssystem nicht fehlen darf. Gülcan Nitsch, die u.a. zu den Sprecher*innen des Berliner Ernährungsrats gehört, verbreitet diese Botschaft auch mit dem von ihr 2006 gegründeten Verein Yeşil Çember. Mit zweisprachigen und kultursensiblen Aufklärungsmaterialien, Umweltschulungen, Workshops und Naturexkursionen sensibilisiert Yeşil Çember die türkischsprachige Community in Deutschland für mehr Umweltschutz und nachhaltige Lebensstile. Dabei spielt auch das Thema (gesunde) Ernährung eine zentrale Rolle. Mehr über die wegweisende Arbeit von Yeşil Çember findet Ihr hier.

Ein Dank gilt zudem Margit Gottstein, Berliner Staatssekretärin für Verbraucherschutz, die auf der Bühne tatkräftig mitschnippelte, -kochte und -moderierte.

Von Links nach Rechts: Niklas Schäfer, Gönül Tiftik, Seval Maya, Gülcan Nitsch, Margit Gottstein

++ Hier findet Ihr alle im Artikel genannten Rezepte zum Nachkochen!  ++

Wir haben es satt – so war die Demo

Lautstark, bunt und entschlossen – so haben wir am Samstag mit 35.000 Menschen in Berlin eine faire Agrarreform und eine klimagerechte Landwirtschaft gefordert. Mit dabei: die Ernährungsräte aus Berlin, Köln, Bonn, Frankfurt am Main, Oldenburg, München, Hamburg und Hannover.

Hier gibt’s noch ein paar Eindrücke von der gesamten Demo und die inspirierende Rede unserer Sprecherin Lea Kliem bei der Auftaktkundgebung!

Positionspapier: Agrarökologie stärken

Für eine grundlegende Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme

Armut, Hunger, Artensterben, Bodenzerstörung, Klimakrise – hunderte Millionen von bäuerlichen ErzeugerInnen sind davon betroffen. Die industrielle Landwirtschaft bedroht nachweislich die Existenz (klein-)bäuerlicher ErzeugerInnen und gefährdet die natürlichen Lebensgrundlagen hierzulande und im globalen Süden. In dem PositionspapierAgrarökologie stärken. Für eine grundlegende Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme fordern 56 zivilgesellschaftliche Organisationen die Bundesregierung auf, Agrarökologie zum zentralen Förderkonzept zur Armutsbekämpfung und zur Anpassung an die Klimakrise zu machen und sie als Grundlage für eine Reform der EU-Agrarpolitik zu nutzen. Der Ernährungsrat Berlin hat das Papier mit gezeichnet.

Wir haben es Satt! Auf zur Demo!

Der Ernährungsrat Berlin wird gemeinsam mit anderen Ernährungsräten aus Deutschland diesen Samstag (19. Januar) auf der großen „Wir haben es Satt“-Demo einen Block bilden. Wer noch Lust hat dazu zu stoßen: Der Treffpunkt ist um 11:30 an der Ebertstraße, zwischen Behrenstraße und Straße des 17. Juni. Hier die genauen Koordinaten.

Mehr Infos zur Demo findet ihr hier.

Infobrief Dezember 2018

Ein ernährungspolitisch ereignisreiches Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Bevor wir über die vergangenen Monate berichten, ein Hilferuf in eigener Sache:

**** ACHTUNG: Bitte schnell lesen und schnell helfen! ******
Wir bitten Euch dringend um Eure Spende! Bitte helft dem Ernährungsrat Berlin aus der akuten Finanzpatsche – möglichst noch vor Weihnachten!

Zwar arbeiten wir schon länger mit Hochdruck daran, unsere Finanzierung für 2019 zu sichern – doch jetzt wird absehbar, dass wir mindestens den Januar über mittellos bleiben könnten. Der Ernährungsrat ist ein offenes zivilgesellschaftliches Bündnis von Bürger*innen, bei dem alle ohne Mitgliedsbeitrag mitmachen können, und so soll es prinzipiell auch bleiben. Trotzdem: Geld macht nicht glücklich und guter Rat ist teuer? Nun ja, kein Geld macht auch nicht glücklich. Und ein guter Ernährungsrat muss zwar nicht besonders teuer sein. Aber ganz ohne Geld schwinden auch den engagiertesten Mitstreitern in unserer Geschäftsstelle schnell die Einsatzkräfte.

Und genau das ist leider gerade unsere aktuelle Lage: Die Mittel für 2018 sind ausgeschöpft und ausgerechnet der Januar 2019 muss derzeit noch völlig ohne Mittelzusage geplant werden. Damit wir sicher über den Jahresanfang kommen und unsere Koordinator*innen bei der Wir Haben Es Satt-Demo und allen Aktivitäten drum herum voller Elan dabei sein können (statt beim Arbeitsamt in der Warteschlange zu stehen), müssen wir rasch eine Finanzierungslücke von knapp 6000 Euro schließen. Geld, das wir dringend brauchen, um unsere Geschäftsstelle auch dann lückenlos weiterbetreiben zu können, wenn beantragte Fördermittel auf sich warten lassen, und um häufig verlangte Eigenbeiträge bei Fördermittelzusagen aufbringen zu können.

Bitte schaut noch heute in den Ecken Eurer Börsen und Brieftaschen nach, ob da vielleicht noch ein kleiner Beitrag als Überlebensmittel für Ernährungsrat Berlin e.V. drin ist. Egal, wie viele Stellen vor dem Komma Eure Spenden an uns haben, jeder Betrag hilft!

Konto: Ernährungsrat e.V., DE35 4306 0967 1225 3232 00, GENODEM1GLS (Verwendungszweck: „Überlebensmittel“). Da wir als gemeinnützig anerkannt sind, dürfen wir auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Wer (bei Beträgen über 100 €) eine solche benötigt, schreibt uns dies mit Adresseangabe und unter dem gleichen Stichwort bitte an kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de.

Sagt uns Eure Meinung!

Was soll „Gutes Essen für alle“ bedeuten? Was möchtet Ihr essen? Wo sollen Eure Lebensmittel herkommen? Wir haben auf unserer Webseite eine Bürger*innen-Plattform eingerichtet. Alle Berliner*innen und Brandenburger*innen können dort ihre Meinungen, Wünsche und persönlichen Vorstellungen über eine zukunftsfähige Esskultur öffentlich kundtun. Wir möchten ein breites ernährungspolitisches Stimmungsbild einfangen und dieses in die Öffentlichkeit tragen sowie in unseren Netzwerken darüber ins Gespräch kommen. Besonders Fotos sind willkommen! Schreibt dazu einfach Eure Botschaft gut lesbar auf ein Blatt und lasst Euch damit ablichten. Also, zückt die Kameras und ladet gerne auch Eure Nachbar*innen, Familie, Freunde, Kolleg*innen und Sportpartner*innen ein, sich zu beteiligen!

Regiowoche Berlin – Potenziale für eine zukunftsfähige Gemeinschaftsverpflegung

50.000 Schüler*innen an über 275 Berliner Schulen wurden vom 1.-5. Oktober mit bio-regionalen Mahlzeiten versorgt. Unter dem Motto „Willst du wissen woher dein Essen kommt? Wir zeigen es dir!“ wurde Schüler*innen der Weg ihrer Mahlzeit von den Feldern vor den Toren der Stadt bis in die Schulmensa vorgeführt. Mehr Infos zur Regiowoche gibt es auf der eigens eingerichteten Webseite https://www.regiowoche.berlin/.

Am 06.12.18 präsentierte der Ernährungsrat Berlin im Abgeordnetenhaus Berlin die Ergebnisse der Regiowoche und diskutierte mit Berliner und Brandenburger Abgeordneten sowie Praxispartnern der Regiowoche, inwiefern eine bio-regionale Schulverpflegung in Berlin machbar ist. Hier findet Ihr einen Bericht zu der Veranstaltung

Berliner Ernährungsstrategie

Drei Plenumssitzungen, 74 Seiten Maßnahmenvorschläge und der Entwurf eines Abschlussberichts: Soviel wiegt bisher die Ernährungsstrategie, die von der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung seit Anfang des Jahres entwickelt wird. Wir haben im Plenum mitdiskutiert, unsere Maßnahmenvorschläge eingebracht und eine Stellungnahme zur Partizipation und zur Transparenz des Verfahrens und der Kommunikation gegenüber der Bevölkerung zum Abschlussbericht mit eingereicht. Denn aus unserer Sicht bleiben insbesondere beim letzten Punkt noch Wünsche offen: Noch gibt es wenig öffentlich zugängliche Information über die Ernährungsstrategieentwicklung. Wir hoffen, dass sich das im Verlauf des Jahres 2019 ändert und wollen auch selbst dazu beitragen. So haben wir zum Beispiel auf der letzten Vollversammlung des Ernährungsrats am 29. Oktober über die Strategieentwicklung diskutiert und die Ergebnisse dieser Diskussion in unsere Stellungnahme einfließen lassen.

Zwei neue Sprecher*innen

Neben Rück- und Ausblick zur Regiowoche und dem Stand der Dinge bei der Entwicklung der Ernährungsstrategie wurde auf der letzten Vollversammlung auch über Möglichkeiten für mehr Diversität im Ernährungsrat und über neue Formate zum gemeinsam Aktivwerden diskutiert. Außerdem wurden zwei nachberufene Sprecher*innen im Amt bestätigt: Willkommen Gülcan Nitsch und Daniel Diehl! Der gesamte Sprecher*innenkreis ist hier zu finden.

Vernetzungskongress der Ernährungsräte

Die Bewegung der deutschsprachigen Ernährungsräte wächst. Nach Gründung der ersten Ernährungsräte in Köln und Berlin wurden allein in 2017/18 weitere 12 Ernährungsräte im deutschsprachigen Raum gegründet, und bis zu 40 Initiativen sind in vielen Städten und Regionen aktiv und treiben ihre eigenen Gründungen voran. Um den Erfahrungsaustausch zu stärken, voneinander zu lernen und Impulse aus Theorie und Praxis zu erhalten, kamen wir vom 23.-25. November 2018 in Frankfurt am Main zum 2. Vernetzungskongress der Ernährungsräte zusammen. Aus Berlin waren wir zu sechst angereist, haben alte Freund*innen getroffen und neue gewonnen, haben unsere Erfahrungen geteilt, selbst viel Neues dazugelernt, spannende Initiativen kennenlernt und Sichtweisen in Sachen Ernährungsdemokratie ausgetauscht. Es war ein inspirierendes Wochenende und wir freuen uns schon auf den nächsten Vernetzungskongress!

Wir haben es satt!

Am 19. Januar 2019 sind wir für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für Klimagerechtigkeit und gutes Essen auf der Straße! Gemeinsam mit Zehntausenden fordern wir, dass bei der EU-Agrarreform der Agrarindustrie endlich der Geldhahn zugedreht wird und stattdessen Politik für Menschen, Tiere und Umwelt gemacht wird.

Seid Teil einer bunten, vielfältigen und lautstarken Bewegung für die Agrarwende und kommt mit uns zur Wir Haben Es Satt-Demo! Hier geht’s zum Demo-Aufruf.

Gemeinsam mit Ernährungsräten aus anderen Regionen werden wir uns zu einem „Block der Ernährungsräte“ zusammenschließen. Infos zum Treffpunkt gibt es bald über unseren Aktivenverteiler – wer darüber informiert werden möchte, schickt bitte eine Mail an kontakt@ernaehrungsrat-berlin.de (Betreff: Aktivenverteiler). Wir sind auch mit einer Rede auf der Großen Bühne dabei und werden außerdem schon am Vorabend bei der Schnippeldisko die Kochlöffel schwingen.

 

Bis dahin: Wir wünschen Allen ein entspanntes und geschmackvolles Jahresende!