Der neue Sprecher*innenkreis

Am 19. April 2018 fand die zweite Wahl in der Geschichte des Ernährungsrat Berlin statt. Zunächst einen herzlichen Dank und große Anerkennung für alle die kandidiert haben! Dass sich so viele äußerst qualifizierte Personen um ein ehrenamtliches Gremium beworben haben ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Daher: „Hut ab“ für alle die ihren Hut in den Ring geworfen haben und danke für Euren Einsatz!

Gleichzeitig möchten wir uns bei allen alten Sprecher*innen bedanken, die nicht noch einmal kandidiert haben. Vielen Dank für Euer Engagement über die letzten zwei Jahre!

Der neue Sprecher*innenkreis besteht bislang aus 12 Personen, die im Folgenden vorgestellt werden.


Christine Pohl

Ich befasse mich seit vielen Jahren mit den Themen Ernährung und Landwirtschaft, insbesondere mit der Frage nach einer zukunftsfähigen Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik im Kontext von sozialer und globaler Gerechtigkeit. Seit sechs Jahren bin ich zu dem Thema in und um Berlin unterwegs und habe den Ernährungsrat mitgegründet. Mal mehr, mal weniger hauptamtlich bin ich als Koordinatorin des Ernährungsrats tätig und bin außerdem vor zwei Jahren in den Sprecher*innenkreis gewählt worden. Seither haben wir in der Berliner Ernährungspolitik einiges ins Rollen gebracht und ich möchte gemeinsam mit allen Engagierten im Ernährungsrat am Ball bleiben! In den nächsten zwei Jahren wird in Berlin eine neue Ernährungsstrategie entwickelt – ich möchte gern mit meinen bisherigen Erfahrungen sowie den geknüpften Kontakten und Netzwerken dazu beitragen, dass diese zukunftsfähig und gerecht wird – für alle Menschen in der Region und anderswo.


Henrike Rieken

Ich kam 2000 zum Studium der Agrarwissenschaften nach Berlin. Über die Zeit haben sich für mich die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft sowie landwirtschaftliche Beratungs- und Kommunikationsprozesse als meine Schwerpunkte herausgebildet. 2015 bin ich auf den Initiator*innenkreis des Ernährungsrats Berlin aufmerksam geworden und habe mich seitdem darin engagieren… nach Gründung und erster Wahl auch als eine von 13 Sprecher*innen. Gerne würde ich daran anschließen und mich im Rahmen der Entwicklung einer „Berliner Ernährungsstrategie“ weiter einbringen, damit unser vielschichtiger Forderungskatalog „Ernährungsdemokratie für Berlin!“ Schritt für Schritt real wird. Über meinen Brotjob als Koordinatorin des „InnoForums Ökolandbau Brandenburg“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde habe ich vielfältige Einblicke in den Brandenburger Ökolandbau und kenne die Herausforderungen mit denen z.B. die Erzeuger*innen, Junglandwirt*innen und Verarbeiter*innen zu kämpfen haben. Diese Erfahrungen möchte ich gerne weiterhin in die Arbeit des Ernährungsrates einfließen lassen. Ein zukunftsfähiges Ernährungssystem entsteht über die Einbindung der Akteure. So können wir gemeinsam eine lebenswerte Grundlage für Stadt und Land schaffen.


Gundula Christiane Oertel

Ernährungspolitik ist für mich als Journalistin und Autorin in Berlin schon lange ein spannendes Thema. Wer bestimmt, was auf unsere Äcker und auf unsere Teller kommt und wie unser Konsum auf Ressourcenschutz und globale Gerechtigkeit wirkt, sind Fragen, die mich dabei besonders beschäftigen.

Gemeinsam mit anderen engagiere ich mich seit 2015 aktiv in der Berliner Stadternährungspolitik. Ich war Teil der Gründungsinitiative für einen Berliner Ernährungsrat und wurde im April 2016 in dessen Sprecher*innenkreis gewählt.

Unsere als Katalog vorgelegten Forderungen, der Dialog mit der Politik, sowie Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkaktivitäten haben uns zur politischen Stimme gemacht, auf die man hört. In Berlin und darüberhinaus! Damit werden wir uns auch aktiv einschalten, wenn der Berliner Senat eine Ernährungsstrategie für die Stadt entwickelt.

Ich möchte gerne weiter mit Ideen, Erfahrungen und Engagement dabei sein, damit unser lokales Ernährungssystem von morgen das Prädikat „zukunftsfähig“ tatsächlich verdient.


Timo Kaphengst

Ich arbeite als selbständiger Berater für soziale Innovationen und verfolge neben meiner Tätigkeit als Sprecher des Ernährungsrates eine Reihe weiterer Projekte im Bereich Ernährung und Landwirtschaft. So habe ich zwei Jahre aktiv an der Gründung einer Regionalwert AG für Berlin-Brandenburg gearbeitet, die nun im Juni dieses Jahres starten wird. Außerdem koordiniere ich im Netzwerk Flächensicherung eine bundesweite Veranstaltungsreihe zum Thema „Einer jungen Generation von Landwirt*innen den Boden bereiten“, in der es besonders um Zugang zu Land geht. Ich bin beeindruckt von der politischen Dynamik, die seit der Gründung des Ernährungsrates Berlin entstanden ist und würde mich bei den anstehenden Aufgaben gerne weiter einbringen. Ich bin diplomierter Landschaftsökologe und wohne mit meiner Familie in Werder (Havel) im Uferwerk, einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt mit 100 Erwachsenen und 60 Kindern.


Timo Schmitt

Ich hatte bereits zwei Jahre lang die Gelegenheit Teil des Sprecher*innenkreises zu sein.  Wie ich mich dort einbringen konnte hat gut zu meiner eigentlichen Ausbildung gepasst. Ich studierte Oecotrophologie in Münster mit den Schwerpunkten Ernährungsökologie und Humanitäre Hilfe. Heute arbeite ich neben meiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Ernährungsrat mittlerweile acht Jahre bei der Berliner Tafel in den Bereichen Ernährungspädagogik und Lebensmittelrettung und
-umverteilung. Außerdem unterstütze ich zahlreiche Organisationen, Initiativen und Unternehmen die sich konsequent gegen die Verschwendung von Lebensmitteln einsetzen. Tagtäglich erlebe ich bei meiner Arbeit, dass ein zukunftsfähiges Ernährungssystem sich nur implementieren lässt, wenn wir alle Menschen miteinbeziehen. Daher möchte ich meine Kernthemen im Ernährungsrat/Sprecher*innenkreis weiterhin verfolgen und dort weiter ausbauen: Solidarität, Wertschätzung und Ernährungskompetenz/ -souveränität.


Florian Niedermeier

Ich betreibe seit 2011 zusammen mit meinen Partnern Bernd Maier und Nikolaus Driessen die Markthalle Neun in Kreuzberg, wo wir versuchen unter dem Banner “Anders Essen, anders einkaufen“, den kleinteiligen Strukturen im Lebensmittelhandwerk und –handel wieder eine Plattform zu geben. Diese Plattform verstehen wir sowohl wirtschaftlich als auch inhaltlich. Die regionale Verankerung ist für uns ein zentraler Aspekt unserer Arbeit. Mein Ziel für den Ernährungsrat Berlin wäre, die Stadt dazu zu bringen und dabei zu begleiten eine Ernährungswende in Berlin zu schaffen und dabei auf breiter Ebene zu profitieren. Seit zwei Jahren darf ich diese Ziele auch als Sprecher im Sprecher*innenkreis des Ernährungsrates vertreten. Diese Arbeit würde ich sehr gerne fortsetzen und auf der Basis des bisher Erreichten die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte bzw. Vorteile einer solchen Ernährungswende für Berlin und Brandenburg den politischen Entscheidungsträgern zugänglich machen und auf diese Weise an einer neuen öffentlichen Vision für eine Stadternährung mitwirken.


Lea Kliem

Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit zukunftsfähigen, urbanen Ernährungssystemen. Ich habe den Aufbau eines nachhaltigen Ernährungsnetzwerks in Oxford, England vorangetrieben, eine Arbeitsgruppe zur urbanen Ernährungspolitik in Toronto, Kanada koordiniert und meine Masterarbeit über die Rolle von zivilgesellschaftlichen Akteuren in kommunaler Ernährungspolitik geschrieben. Momentan arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und promoviere zu nachhaltigen Landwirtschafts- und Saatgutsystemen. Mit diesen Erfahrungen bringe ich mich seit zwei Jahren als Sprecherin im Berliner Ernährungsrat ein.

Einiges konnten wir in den letzten Jahren anstoßen und es ist schön zu sehen, dass unsere Arbeit auch in der Politik Anklang findet. Bis zu einem wirklich zukunftsfähigen Ernährungssystem für Berlin ist es aber noch ein weiter Weg. Bei der anstehenden Entwicklung einer Berliner Ernährungsstrategie möchte ich mich dafür einsetzten, dass ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zusammengedacht werden und möchte gemeinsam mit allen Ernährungsratsaktiven auch in den kommenden Jahren die Ernährungswende in Berlin und Umland aktiv vorantreiben!


Christian Heymann

In unserer jetzigen Zeit sich mit Ernährung auseinandersetzen wird wichtiger denn je. Täglich haben wir mit Betrug in der Lebensmittelbrache zu tun. Lebensmittel werden gepanscht und sind billig. Ein Auge auf die Produktionsweise und Art sie herzustellen wird immer wichtiger. Um Ihnen Geschmack zu geben muss man sie mit handwerklichem Sachverstand produzieren. Sorten und Rassen verwenden, die gegen den Massestrom laufen. Ich, Christian Heymann, seit nunmehr 20 Jahren Landwirt und seit 5 Jahren den eigenen Landwirtschafts- und Gemüsebaubetrieb SpeiseGut führend, kandidiere zum zweiten Mal als Sprecher für den Ernährungsrat, weil es mir wichtig ist, dass Verbraucher direkt erreicht und aufgeklärt werden, wie ihre Lebensmittel produziert werden. Sie sollen die Wertschöpfung wieder erkennen, was ihre Lebensmittel wirklich Wert sind. Sie sollen wieder den Ursprung des Produktes schmecken. Ich denke, ich kann einen fachlichen Beitrag dazu leisten, wenn es um Fragen rund um den Landbau geht. Durch den ständigen Kontakt mit Verbrauchern und Produzenten, kann ich dem Netzwerk mit Informationen dienlich sein.


Annette Jensen

Als freie Journalistin habe ich mich in den vergangenen Jahren am liebsten damit beschäftigt, wie eine enkeltaugliche Zukunft aussehen kann. Ich habe Menschen und Projekte besucht, die bereits neue Formen des Wirtschaftens praktizieren. Dabei ging es oft auch um Aspekte von Ernährung – Boden, Saatgut, Anbau, Verarbeitung, Vertrieb, Zubereitung und Vererdung der Reste. Es gibt erstaunlich viele Initiativen und Ansätze. Doch Infrastrukturen, Steuersysteme und Weltwirtschaftsverträge fördern Konzerne, immer mehr Transport und Ressourcenverschwendung. Dabei ist längst klar, dass mit den planetaren Grenzen vereinbare Versorgungsstrukturen vielfältig, kleinteilig, regional angepasst und kooperativ sein müssen. Der Ernährungsrat will so etwas aufbauen. Dazu würde ich gerne beitragen. Zugleich möchte ich auch Früchte ernten in Form von Ideen, Informationen und Kontakten.

Ich weiß nach fast 30 Jahren als Journalistin – früher im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt, später für zahlreiche Zeitungen, Zeitschriften und als Buchautorin: Kritik am Bestehenden ist notwendig und wichtig, aber Informationen verändern die Welt nicht. Deshalb bin ich 2016 unter die Aktivistinnen gegangen und engagiere mich in der Bürgerinitiative thf.vision. Wir wollen das weitgehend leerstehende Tempelhofer Flughafengebäude zu einem Gemeingut machen. Entstehen soll ein Ort, an dem eine langfristig tragfähige Lebensweise demokratisch entwickelt, ausprobiert und erforscht wird. Dabei orientieren wir uns an den 17 Nachhaltigkeitszielen der UNO. Anfangen möchten wir mit einem Hof der Ernährung. In einem Gebäudeteil gibt es fünf Küchen; das könnte ein guter Standort für das geplante „House of Food“ sein. Ich arbeite außerdem mit in der AG LebensMittelPunkte.


Johanna Böll

Noch vor Gründung des Berliner Ernährungsrates hat mich das Konzept der „Food Policy Councils“ begeistert. Motivierte Menschen aus den unterschiedlichen Kreisen, die sich gemeinsam für ein sinnvolles Ernährungssystem in der Region einsetzen. Klar, dass ich von Anfang an beim Berliner Ernährungsrat aktiv war. Zunächst in der AG Regionale Erzeugung und Verarbeitung, in der wir die Ernährungsstrategie mit ausgearbeitet haben und nun in der AG Wissenschaf(f)t, die die Forderungen mit Leben und Persönlichkeit füllen möchte.

In meiner Ausbildung durchleuchte ich mit großer Leidenschaft die einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln. So beschäftigte ich mich während meines Oecotrophologie-Studiums in Fulda mit Themen der Lebensmittelverarbeitung, Vermarktung und der Produktqualität. Den Ursprung unserer Nahrungsmittel erfuhr ich zunächst bei der Arbeit in einer sozial-biologischen Landwirtschaft und nun auch im Master Ökoagrarmanagement in Eberswalde, in dem mein Fokus auf der Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik liegt.

Meine Erfahrungen und Kenntnisse möchte ich zukünftig gern auch als Sprecherin des Ernährungsrates mit einbringen. Die aktuellen Bewegungen in der Berliner Ernährungsstrategie haben großes Potential. Daher ist es gerade jetzt so wichtig und interessant sich für eine sinnvolle und nachhaltige Zukunft einzusetzen. Und genau das möchte ich als Sprecherin mit dem Ernährungsrat tun.


Frank Nadler

Ernährungsdemokratie jetzt!

Die erfolgreiche Umsetzung dieser Forderung möchte ich unterstützen. Dafür habe ich die AG „Berlin-Brandenburg“ initiiert, umso die Vernetzung zwischen den Ernährungsrat-Initiativen in Brandenburg und Berlin zu verstetigen. Gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen.

Beruflich befasse ich mich mit dem Aufbau von Land-Stadt-Logistikketten, um wieder direktere Beziehungen zwischen Produzenten und Einzelhandel bzw. Konsumenten herzustellen. Ich engagiere mich in verschiedenen Direkthandelskonzepten in Berlin und bin Teil der SoLaWi
Waldgarten.

Mit großer Freude habe ich in der AG „Faire Marktstrukturen“ die bisherige Entwicklung des Berliner Ernährungsrates seit der Gründung verfolgt und möchte die Zukunft nun aktiv als Teil des Sprecher*innenkreises mitgestalten.


Oke Anyanwu

Um den zukunftsfähigen Wandel des Ernährungssystems in der Region in einem globalisierten Welternährungssystem aktiv voranzutreiben, empfinde ich es als unerlässlich, das „Lokale“ mit dem „Globalen“ perspektivisch zu verbinden. Als Sprecher des Ernährungsrates Berlin möchte ich hierzu meinen Beitrag leisten. Des Weiteren ist es auch mein Anliegen, durch meine Mitarbeit im höchsten Gremium des Ernährungsrats Berlin die Einbindung von Südstimmen und Süd-Perspektiven im Transformationsprozess des Ernährungssystems in einer pluralen, postmigrantischen Gesellschaft wie Berlin zu gewährleisten.

Als selbständiger Referent und Berater in unterschiedlichen Settings der weltgesellschaftlichen Transformationsprozesse engagiere ich mich seit Jahren schwerpunktmäßig für den Fairen Handel, für Ernährungssouveränität, für globale Ernährungsgerechtigkeit sowie gegen Land-Grabbing. Richtschnur meiner Arbeit war dabei stets die Überlegung, wie die Lücke geschlossen werden kann, die zwischen dem Wissen um die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Veränderung und dem alltäglichen Handeln klafft.