Der Sprecher*innenkreis

Der Sprecher*innenkreis repräsentiert den Ernährungsrat nach außen und lenkt ihn inhaltlich. Er befasst sich mit aktuellen Fragen und Entwicklungen, kann Forderungen zu aktuellen Themen erarbeiten, Fachtagungen initiieren, Arbeitsgruppen einberufen und dringliche Entscheidungen treffen, die nicht bis zur nächsten Vollversammlung des Ernährungsrats warten können.

Der erste Sprecher*innenkreis (2016-2018) wurde bei der Gründungsversammlung im April 2016 gewählt und war bis zu den Neuwahlen im April 2018 im Amt. Seine Mitglieder findet ihr hier.

Der aktuelle Sprecher*innenkreis

Am 19. April 2018 wurden zwölf Personen von einer Vollversammlung der Engagierten zu Sprecher*innen des Ernährungsrats gewählt. Drei weitere Sprecher*innen wurden (gemäß Satzung §3.4) nachberufen und am 29. Oktober 2018 bzw 08. Mai 2019 von der Vollversammlung bestätigt.

Aufgrund der Corona-Pandemie konnten die geplanten Neuwahlen im Mai 2020 sowie der Verschiebungstermin im Oktober 2020 nicht stattfinden. Ein Übergangssprecher*innenkreis aus den unten genannten Personen hat sich bereit erklärt, weiter im Amt zu bleiben und sich mit den Kandidat*innen für den Sprecher*innenkreis über die gemeinsame Arbeit in einer Übergangsperiode zu verständigen.

Ausgeschieden sind mit der Vollversammlung am 28. 10. 2020 folgende Sprecher*innen: Friederike Gaedke, Timo Kaphengst, Timo Schmitt, Florian Niedermeyer, Gülcan Nitsch und Christine Pohl.


Annette Jensen

Als freie Journalistin habe ich mich in den vergangenen Jahren am liebsten damit beschäftigt, wie eine enkeltaugliche Zukunft aussehen kann. Ich habe Menschen und Projekte besucht, die bereits neue Formen des Wirtschaftens praktizieren. Dabei ging es oft auch um Aspekte von Ernährung – Boden, Saatgut, Anbau, Verarbeitung, Vertrieb, Zubereitung und Vererdung der Reste. Es gibt erstaunlich viele Initiativen und Ansätze. Doch Infrastrukturen, Steuersysteme und Weltwirtschaftsverträge fördern Konzerne, immer mehr Transport und Ressourcenverschwendung. Dabei ist längst klar, dass mit den planetaren Grenzen vereinbare Versorgungsstrukturen vielfältig, kleinteilig, regional angepasst und kooperativ sein müssen. Der Ernährungsrat will so etwas aufbauen. Dazu würde ich gerne beitragen. Zugleich möchte ich auch Früchte ernten in Form von Ideen, Informationen und Kontakten.
Ich weiß nach fast 30 Jahren als Journalistin – früher im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt, später für zahlreiche Zeitungen, Zeitschriften und als Buchautorin: Kritik am Bestehenden ist notwendig und wichtig, aber Informationen verändern die Welt nicht. Deshalb bin ich 2016 unter die Aktivistinnen gegangen und engagiere mich in der Bürgerinitiative thf.vision. Wir wollen das weitgehend leerstehende Tempelhofer Flughafengebäude zu einem Gemeingut machen. Entstehen soll ein Ort, an dem eine langfristig tragfähige Lebensweise demokratisch entwickelt, ausprobiert und erforscht wird. Dabei orientieren wir uns an den 17 Nachhaltigkeitszielen der UNO. Anfangen möchten wir mit einem Hof der Ernährung. In einem Gebäudeteil gibt es fünf Küchen; das könnte ein guter Standort für das geplante „House of Food“ sein. Ich arbeite außerdem mit in der AG LebensMittelPunkte.


Lea Kliem

Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit zukunftsfähigen, urbanen Ernährungssystemen. Ich habe den Aufbau eines nachhaltigen Ernährungsnetzwerks in Oxford, England vorangetrieben, eine Arbeitsgruppe zur urbanen Ernährungspolitik in Toronto, Kanada koordiniert und meine Masterarbeit über die Rolle von zivilgesellschaftlichen Akteuren in kommunaler Ernährungspolitik geschrieben. Momentan arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und promoviere zu nachhaltigen Landwirtschafts- und Saatgutsystemen. Mit diesen Erfahrungen bringe ich mich seit zwei Jahren als Sprecherin im Berliner Ernährungsrat ein.
Einiges konnten wir in den letzten Jahren anstoßen und es ist schön zu sehen, dass unsere Arbeit auch in der Politik Anklang findet. Bis zu einem wirklich zukunftsfähigen Ernährungssystem für Berlin ist es aber noch ein weiter Weg. Bei der anstehenden Entwicklung einer Berliner Ernährungsstrategie möchte ich mich dafür einsetzten, dass ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zusammengedacht werden und möchte gemeinsam mit allen Ernährungsratsaktiven auch in den kommenden Jahren die Ernährungswende in Berlin und Umland aktiv vorantreiben!


Frank Nadler

Ernährungsdemokratie jetzt! Die erfolgreiche Umsetzung dieser Forderung möchte ich unterstützen. Dafür habe ich die AG „Berlin-Brandenburg“ initiiert, umso die Vernetzung zwischen den Ernährungsrat-Initiativen in Brandenburg und Berlin zu verstetigen. Gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen.
Beruflich befasse ich mich mit dem Aufbau von Land-Stadt-Logistikketten, um wieder direktere Beziehungen zwischen Produzenten und Einzelhandel bzw. Konsumenten herzustellen. Ich engagiere mich in verschiedenen Direkthandelskonzepten in Berlin und bin Teil der SoLaWi
Waldgarten.
Mit großer Freude habe ich in der AG „Faire Marktstrukturen“ die bisherige Entwicklung des Berliner Ernährungsrates seit der Gründung verfolgt und möchte die Zukunft nun aktiv als Teil des Sprecher*innenkreises mitgestalten.


Henrike Rieken

Ich kam 2000 zum Studium der Agrarwissenschaften nach Berlin. Über die Zeit haben sich für mich die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft sowie landwirtschaftliche Beratungs- und Kommunikationsprozesse als meine Schwerpunkte herausgebildet. 2015 bin ich auf den Initiator*innenkreis des Ernährungsrats Berlin aufmerksam geworden und habe mich seitdem darin engagieren… nach Gründung und erster Wahl auch als eine von 13 Sprecher*innen. Gerne würde ich daran anschließen und mich im Rahmen der Entwicklung einer „Berliner Ernährungsstrategie“ weiter einbringen, damit unser vielschichtiger Forderungskatalog „Ernährungsdemokratie für Berlin!“ Schritt für Schritt real wird. Über meinen Brotjob als Koordinatorin des „InnoForums Ökolandbau Brandenburg“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde habe ich vielfältige Einblicke in den Brandenburger Ökolandbau und kenne die Herausforderungen mit denen z.B. die Erzeuger*innen, Junglandwirt*innen und Verarbeiter*innen zu kämpfen haben. Diese Erfahrungen möchte ich gerne weiterhin in die Arbeit des Ernährungsrates einfließen lassen. Ein zukunftsfähiges Ernährungssystem entsteht über die Einbindung der Akteure. So können wir gemeinsam eine lebenswerte Grundlage für Stadt und Land schaffen.


Sabine Werth (nachberufen)

Die studierte Sozialarbeiterin gründete die Berliner Tafel und ist seither die ehrenamtliche Vorsitzende. Um täglich vor Ort sein zu können, hat sie ihren eigenen Betrieb, die Familienpflege Sabine Werth, ebenfalls auf den Großmarkt verlegt. Seit 15 beschäftigt sie sich verstärkt mit dem Thema Ernährung und Lebensmitteleinsatz. Fuhr sie anfangs noch selbst zu Supermärkten und Bäckern, ist sie seit Jahren vor allem das Gesicht der Tafel, begeisterte Botschafterin der guten Sache und unermüdliche Ideengeberin.


Gundula Christiane Oertel

Ernährungspolitik ist für mich als Journalistin und Autorin in Berlin schon lange ein spannendes Thema. Wer bestimmt, was auf unsere Äcker und auf unsere Teller kommt und wie unser Konsum auf Ressourcenschutz und globale Gerechtigkeit wirkt, sind Fragen, die mich dabei besonders beschäftigen. Gemeinsam mit anderen engagiere ich mich seit 2015 aktiv in der Berliner Stadternährungspolitik. Ich war Teil der Gründungsinitiative für einen Berliner Ernährungsrat und wurde im April 2016 in dessen Sprecher*innenkreis gewählt.
Unsere als Katalog vorgelegten Forderungen, der Dialog mit der Politik, sowie Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkaktivitäten haben uns zur politischen Stimme gemacht, auf die man hört. In Berlin und darüberhinaus! Damit werden wir uns auch aktiv einschalten, wenn der Berliner Senat eine Ernährungsstrategie für die Stadt entwickelt.
Ich möchte gerne weiter mit Ideen, Erfahrungen und Engagement dabei sein, damit unser lokales Ernährungssystem von morgen das Prädikat „zukunftsfähig“ tatsächlich verdient.


Oke Anyanwu

Um den zukunftsfähigen Wandel des Ernährungssystems in der Region in einem globalisierten Welternährungssystem aktiv voranzutreiben, empfinde ich es als unerlässlich, das „Lokale“ mit dem „Globalen“ perspektivisch zu verbinden. Als Sprecher des Ernährungsrates Berlin möchte ich hierzu meinen Beitrag leisten. Des Weiteren ist es auch mein Anliegen, durch meine Mitarbeit im höchsten Gremium des Ernährungsrats Berlin die Einbindung von Südstimmen und Süd-Perspektiven im Transformationsprozess des Ernährungssystems in einer pluralen, postmigrantischen Gesellschaft wie Berlin zu gewährleisten.
Als selbständiger Referent und Berater in unterschiedlichen Settings der weltgesellschaftlichen Transformationsprozesse engagiere ich mich seit Jahren schwerpunktmäßig für den Fairen Handel, für Ernährungssouveränität, für globale Ernährungsgerechtigkeit sowie gegen Land-Grabbing. Richtschnur meiner Arbeit war dabei stets die Überlegung, wie die Lücke geschlossen werden kann, die zwischen dem Wissen um die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Veränderung und dem alltäglichen Handeln klafft.